Spiritualität ganz alltäglich

Pfeife rauchen

Rudolf Vögele, Leiter Ressort Pastoral im Generalvikariat Zürich-Glarus, erklärt wie das Rauchen einer Pfeife spirituell sein kann.

Ja, ich weiss: Rauchen ist tödlich. So steht es auf jedem Tabakbeutel. Und manche werden sicher fragen: Kann man Spiritualität und Rauchen vereinbaren?

Ich rauche keine Zigaretten oder Zigarren. Meine Pfeife aber ist mir «heilig». Oft werde ich angesprochen auf den feinen Tabak oder auf Erinnerungen an den Grossvater, der in aller Seelenruhe an seiner Pfeife nuckelte. Und die meisten wissen: Pfeifenraucher wollen ihre Ruhe. Sie quatschen nicht wie Zigarettenraucher und -raucherinnen. Deshalb rauche ich auch nicht in Gesellschaft, sondern abseits von anderen. Pfeife rauchen und reden – das passt für mich nicht zusammen.

Zum Pfeiferauchen gehe ich in unser schönes Gärtchen, abgeschieden, ganz für mich allein. Dort lasse ich meinen Gedanken freien Lauf. Manchmal kommen mir dabei Ideen, wie ich einen Artikel oder eine Power-Point-Präsentation fortführen kann, an der ich gerade arbeite. Manchmal fällt mir auch ein, mit wem ich noch Kontakt aufnehmen wollte oder wo ich noch etwas «gerade zu bügeln» habe. Ab und zu bin ich dabei aber auch einfach nur zufrieden, mit mir selbst, mit meiner Arbeit, mit meinem Leben.

Das hat für mich etwas tief Spirituelles. Die Churer Theologin Eva-Maria Faber sagte in einem Vortrag, Spiritualität sei Unterbrechung. Spirituelle Menschen hüpfen also immer wieder aus ihrem «Hamsterrad», lassen ihre Gedanken schweifen, kommen zur Ruhe und vielleicht auch zur Neuausrichtung. Abseits vom Alltagsgetriebe suchen sie den tieferen Sinn. Da kann Gott sich einmischen und sein Wort sprechen.

Klar, dazu braucht man keine Pfeife und keinen schädlichen Tabak. Ich halte es dennoch so wie der Mönch, der seinen Abt fragte, ob er beim Beten rauchen dürfe. Als dieser entsetzt war, drehte er die Sache um: «Aber beim Rauchen darf ich doch beten?» «Selbstverständlich», lautete die prompte Antwort. Beten heisst eben nicht «plappern wie die Heiden, weil sie meinen, sie werden nur dann erhört, wenn sie viele Worte machen», wie Jesus im Matthäus-Evangelium sagt. Wenn beten, dann in der eigenen Kammer – abgeschieden halt, drinnen oder draussen. Ob mit oder ohne Pfeife, davon hat er nichts gesagt.

Text: Rudolf Vögele, Leiter Ressort Pastoral im Generalvikariat Zürich-Glarus