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Reformierte holen Zwingli vom Sockel

Die Besucher des Züri-Fäschts konnten Zwingli auf Augenhöhe begegnen.

Die reformierte Kirche des Kantons und der Stadt Zürich hatte sich fürs Züri-Fäscht eine publikumswirksame Aktion ausgedacht. Ein Selfie mit Reformator Huldrych Zwingli, das sollte am dreitägigen Züri-Fäscht am ersten Juli-Wochenende möglich sein. Das alle drei Jahre stattfindende Fest fiel dieses Mal auf das Jahr des Jubiläums der Reformation. Bei der Aktion liessen die Verantwortlichen Zwingli buchstäblich vom Sockel heben – mit Hilfe eines Krans gelangte die Bronzestatue vom Steinsockel auf den Boden. Zu der Aktion waren die Medien eingeladen.

Die Inspiration für die Aktion habe er – ausgerechnet – vom Stand der katholischen Kirche am letztmaligen Züri-Fäscht von 2016 erhalten, erläuterte Andrea Marco Bianca, Vizepräsident des Kirchenrats der evangelisch-reformierten Landeskirche Zürich. Vor drei Jahren, wie auch diesmal wieder, sei der Auftritt der Katholiken «superschön, man kann etwas trinken und darüber sinnieren, worum es an einem solchen Fest geht und wie es danach weitergeht», so Bianca.

Aufgefallen sei ihm damals, dass im Gegensatz dazu die Reformierten einen relativ diskreten Auftritt vorgesehen hatten, in Kirchen drin und als «Alternativprogramm» etikettiert. Es sei passend, wenn gewissermassen der Reformator, der aus der Kirche einst eine Volkskirche machte, sich am populären Fest unters Volk mischt. «Zwingli war nicht nur ein strenger Sittenwächter, sondern auch ein lebensfroher Mensch. Als dies wollen wir die Reformation am Züri-Fäscht feiern», so Bianca. Die Reformationsbotschaft der Aktion: Es gibt niemanden auf dem Sockel, der zwischen einem selber und Gott ist. Wenn Festbesucher ein Selfie mit Zwingli machten, könnten sie zu Reformationsbotschaftern werden. Oder wie er augenzwinkernd in Neudeutsch übersetzte: zu «Influencern» für einen «Streetstyle-Zwingli». Die reformierte Kirche der Stadt und des Kantons war am Fest zudem mit der «Zwingli-Bar» präsent. Dort gab es das «Zwingli-Bier» sowie «Zwingli-Wurst».

Die Aktion am Zürifäscht stellte den Auftakt zum Projekt «Zwingli-Stadt 2019» dar: Ab August werden zwölf Duplikate der Statue in Zürich stehen. Am Medienanlass erläuterte Grossmünsterpfarrer Christoph Sigrist das Folgeprojekt: Wenn Zwingli vom Sockel steige, habe das zur Folge, dass Kirche draussen, auf dem Boden stattfinde.

«Man kommt ins Gespräch mit den Leuten, der Platz der Kirche ist der öffentliche Platz, mitten in den Quartieren der Stadt.» Mit der Präsenz der zwölf Statuen würden Bezüge zu aktuellen Themen hergestellt, Beispiel: Klima. Die reformatorische kopernikanische Wende sei heute matchentscheidend. «Man schaut nicht ins Jenseits, sondern aufs Diesseits», sagte Sigrist.

 

Text: kath.ch

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Zwingli-Gsprööch

Abt Urban Federer von Einsiedeln, Synodalratspräsidentin Franziska Driessen, Harald Rein, Bischof der Christkatholischen Kirche Schweiz, und Pfarrer Christoph Sigrist diskutieren über ökumenische Aufbrüche und Perspektiven in Stadt und Kanton Zürich.

23. August, 18.30 Uhr; Wasserkirche, Zürich