Kräuter aus dem Kloster

Grosse Brennnessel

«Sie ist wohl das einzige Kraut, das allen Leuten bekannt ist; denn ihr ‹Händedruck› ist unvergesslich» (Kräuterpfarrer Joh. Künzle, 1857–1945).

Das liegt an den Brennhaaren. Diese sitzen am Stängel und vor allem auf der Blattunterseite. In der unteren Hälfte sind sie mit Ameisensäure gefüllt. Bei Berührung dringen sie in die Haut ein, brechen ab und injizieren die Flüssigkeit, was zu den bestens bekannten Bläschen führt.

Da die Brennhaare die lokale Hautdurchblutung verstärken, hat man frische Brennnesseln früher gegen rheumatische Beschwerden eingesetzt. Man schlug sich mit den Stauden einmal im Jahr beispielsweise die Knie, hatte anschliessend ein, zwei schlaflose Nächte und ein Leben lang kein Rheuma. Die Pflanze lässt sich allerdings auch auf angenehmere Weise vielfältig verwenden. Tee aus frischen Blättern unterstützt im Frühjahr die Blutreinigung und Entschlackung. In der Küche dienen sie als Salat und Spinatersatz. Um die Härchen ausser Gefecht zu setzen, walzt man einmal mit dem Wallholz über die Blätter. Die im August gesammelten und getrockneten Samen können aufs Butterbrot, ins Müesli oder über den Salat gestreut werden und helfen bei Erschöpfung und Leistungsschwäche.

Zum Pflücken der Brennnessel kann man Handschuhe tragen, es geht aber auch ohne: Dazu bricht man sie möglichst in Bodennähe ab und streift anschliessend die Brennhaare ab, indem man die Pflanze ein paar Mal von unten nach oben durch die Hand zieht.

Text: Alexandra Dosch, Dipl. Feldbotanikerin und Theologin