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Panorama

Drei Fundstücke machen auf exemplarische Weise bewusst, weshalb es keinen seriösen Journalismus ohne Differenzierung gibt. – Zudem entdecken wir in Berlin Genossenschaftsmodelle als zukunftsweisend. – Und in Goslar werden uns die Auswirkungen des Klimawandels ganz konkret vor Augen geführt.

Keine Qualität ohne Differenzierung 

Wie differenzierter Journalismus abseits von ideologischen Blickfeldbegrenzungen aussieht, das zeigen gleich drei Beiträge zu ebenso aktuellen wie brisanten Debatten:

In der «ZEIT» schreibt Adrian Dabu über Waffen in den USA. Wer sich bei diesem Thema gerne mit einem galligen «Die spinnen, die Amis!» zufriedengibt, der muss dieses Stück genauso lesen, wie all jene Waffenromantiker, die nach jedem Massaker gedankenlos etwas von Freiheit faseln.

«Munitioniert» von Adrian Dabu

In der «Süddeutschen» gibt Stefan Kornelius in einem Kommentar – ebenfalls unter dem Eindruck der Massaker von El Paso und Dayton – zu bedenken, dass es zu einfach wäre, lediglich Donald Trump anzuklagen. Kornelius sieht den US-Präsidenten als Produkt der Verrohung in einem gespaltenen Land – wie als Antreiber weiterer Spaltung und Verrohung.

«Trump ist nicht nur Ursache – sondern selbst Symptom» von Stefan Kornelius

Und wieder in der «ZEIT» fordert Martin Klingst in einer Kolumne dazu auf, Carola Racketes Argumentation nach der Seenotrettung im Juni differenziert zu betrachten. Einerseits geht er mit ihr einig, dass Seenotrettung nicht nur eine moralische, sondern auch eine rechtliche Pflicht ist. Andererseits führt weist er aber auch darauf hin, dass Racketes Aussagen danach sowohl dem Asylrecht wie der Flüchtlingskonvention einen Bärendienst erweisen.

«Ein schlechter Dienst für die Seenotrettung» von Martin Klingst 


Wo der Kapitalismus nicht das letzte Wort hat

In einem umfangreichen Hintergrundreport beleuchten Stefan Reinecke und Hanna Voss in der «taz» Formen der kollektiven Arbeit und des solidarischen Wirtschaftens, wobei auffällig ist, wie stark in diesen Formen ein altes Modell wieder zum Tragen kommt, das in Zeiten des Neoliberalismus bereits als altbacken belächelt wurde: Die Genossenschaft. Reinecke und Voss beleuchten das Thema in seiner ganzen gesellschaftlichen Breite und stellen auch die wichtigen Fragen nach den Grenzen der jeweiligen Modelle.

«Sozialismus ohne Klassenkampf» von Stefan Reinecke und Hanna Voss


Klimawandel konkret

Statistiken zum Klimawandel werden gerne als allzu abstrakt abgetan. Tatsächlich ist die Interpretation von Statistiken eine Kunst. Ganz besonders, wenn sie verständlich, aber dennoch korrekt vermittelt werden sollen und nicht bloss den Kopf, sondern auch das Herz und die Hand erreichen sollen. Annika Joeres und Bastian Schlange vom Recherchenetzwerk «Correctiv» setzt nicht auf Zahlen, sondern auf den ganz konkreten, nachvollziehbaren Fall: Wie wirken sich Starkregen, Dürre und Flächenbrände auf die niedersächsische Stadt Goslar aus. Noch konkreter: Was bedeuten drei aufeinanderfolgende Katastrophenjahre für die Arbeit der dortigen Feuerwehr.

«An vorderster Wetterfront» von Annika Joeres und Bastian Schlange

Text: Thomas Binotto