Spiritualität ganz alltäglich

Bahnen schwimmen

Wie man beim Bahnen schwimmen im Hallenbad Spiritualität erfahren kann, erklärt Michaele Madu, Pastoralassistentin der Katholischen Pfarrei Volketswil.

Ich liebe gemütliches und stetiges Schwimmen im Hallenbad. Diesem Sporthobby kann ich häufig am Freitagmorgen nachgehen. Dabei bin ich weder ehrgeizig, noch zähle ich die Bahnen, die ich in einer Stunde zurücklege. Es tut mir einfach gut. Natürlich gibt es dabei den gesundheitlichen Aspekt, dass ich Fett verbrenne und meine Muskeln schonend trainiere. Diese regelmässige Zeit hat für mich aber auch etwas Meditatives.

Als ich vor Jahren mit dem Schwimmen begann, machte ich erste Versuche, Sport mit Spiritualität zu verbinden. Wie wäre es, den Namen Jesu mit meinen Atemzügen synchron beim Schwimmen zu beten? Ich versuchte es, aber es stimmte für mich nicht. Ich kenne Priester, die beim Gewichtestemmen im Fitnessstudio innerlich den Rosenkranz beten. So stählen sie wohl Körper und Seele gleichzeitig. Doch ich spürte, dass das Gebet und die stille Betrachtung bei mir einen ruhigeren Rahmen und mehr Sammlung brauchen.

Für mich ist die Zeit des Schwimmens am besten, wenn ich mir dafür gar nichts vornehme. Die Gedanken fliessen ja ohnehin von selbst. Und so habe ich beim Schwimmen bereits meine Ferienplanung gemacht, Ideen für meine Arbeit entwickelt, Predigten entworfen – spontan. Ich habe mir sogar schon wichtige Entscheidungen «erschwommen». Besonders schön ist es, wenn mir Fantasien kommen: Ich schwimme im Ozean eines fernen Planeten, bei dem die Farben und Landschaften anders aussehen als auf der Erde. Ich stelle mir vor, ich wäre ein exotisches Lebewesen, das dort im frischen kühlen Wasser seine Bahnen zieht. Jeder Gedanke ist gut und richtig. Ich muss nichts leisten oder erreichen.

Was macht diese Schwimmzeit jedes Mal so erholsam für mich? Ich fühle, dass es die Absichtslosigkeit in meinem Tun ist. Alles, was ich absichtslos tue, nimmt Druck von mir und wird so für mich und andere bereichernd. Das gelingt mir im Urlaub leichter, oft aber auch im Alltag. Wenn ich Menschen oder Tieren ungeplant und offen begegne, kann dadurch viel Gutes geschehen. Meine Entspannung strahlt auf andere aus. Der Himmel öffnet sich ein Stück weit, ohne dass ich es gemacht hätte.

Text: Michaele Madu, Pastoralassistentin Katholische Pfarrei Volketswil