Editorial

Dialog: feiern und reden

Im Gottesdienst in meinem Ferienland mitfeiern und mitbeten ist eine Form des Dialoges mit der Kultur und dem Glauben der Menschen.

Auch wenn ich die Sprache nur der Spur nach oder gar nicht verstehe, weiss ich doch immer, wo wir in der Liturgie stehen. Denn eine katholische Messe hat überall in der Welt denselben Ablauf. Und trotzdem ist der Gottesdienst auf einer spanischen Insel ganz anders als bei uns. Offene Türen, mehrere Personen, die Gebete oder Lesungen vortragen, und vor allem die Lieder: inbrünstig von älteren Frauen gesungen, die Woche darauf dann aber spritzig, mit Gitarre und Jugendchor. Da erlebe ich die Seele der Menschen auf diesem Flecken Erde, wo ich Ferien machen darf.

Mitfeiern und Mitbeten ist eine wunderschöne Form des Dialoges mit einer fremden Kultur. Aber auch hier braucht es Offenheit, um nicht aufgrund eines äusseren Eindruckes ein Vorurteil zu entwickeln. Um tiefer zu verstehen, wie die Menschen glauben und leben, sind mehr als einige Ferientage nötig.

Die intellektuelle Auseinandersetzung mit einer anderen Kultur oder Religion ist eine andere Form des Dialoges. Verläuft dieser schriftlich und womöglich in Auszügen über die Medien, entstehen schnell Missverständnisse und Verletzungen.

Entscheidend ist eine innere Haltung der Offenheit: Ich muss nicht unbedingt dem anderen meine Überzeugungen begreiflich machen, sondern mit ihm oder ihr zusammen entdecken, was durch das Gespräch, vor allem aber durch die Beziehung, neu aufleuchtet. Denn Gott ist schon da, unter uns. Wir verdecken ihn manchmal mit unseren Worten oder Sicherheiten. Gemeinsam können wir ihn immer wieder neu finden. Die Anstrengung, gut zuzuhören und Aussagen zu klären, lohnt sich, wie unsere Hauptgeschichte zeigt.