Schliessung

Einkaufszentrum Sihlcity hat keine Kirche mehr

Zwölf Jahre lang engagierten sich Seelsorgende und Freiwillige in der kleinen Kirche des Einkaufszentrums Sihlcity – nun ist sie geschlossen.

«Bei den Freiwilligen, die sich teilweise jahrelang in der Sihlcity-Kirche engagiert haben, löste der Schliessungsentscheid viele Frustrationen aus», sagt Meinrad Furrer, im letzten Jahr Seelsorger in der Sihlcity-Kirche. Auch er hat nochmals viel Herzblut ins Projekt gesteckt: «Im Dezember boten wir Rorate-Feiern mit anschliessendem Frühstück an, das haben wir sogar mit einem Videoclip im Einkaufszentrum beworben!» 

Die Feiern und die Gemeinschaft seien sehr schön gewesen, auch die früher angebotenen warmen Suppen-Zmittage im Winter waren auf Interesse gestossen. Doch es trafen sich hier eher Leute aus dem Quartier als aus dem Einkaufszentrum, und auch immer etwa die gleichen. «Ein Einkaufszentrum ist halt kein Bahnhof, wo die Leute Wartezeiten haben und dann gerne in einem Raum der Stille innerlich auftanken oder auf dem Weg zur Arbeit bewusst eine Pause einschalten», sagt Meinrad Furrer. 

Zudem sei die Kirche hier zu wenig sichtbar gewesen, vielleicht der Grund, warum auch kaum Mitarbeitende der Läden hier waren. «Aber es war ein gutes Projekt und eine gute Zeit», betont Furrer. Es sei wichtig, etwas auszuprobieren. «Man hat mit Seelsorgenden angefangen, die relativ viele Stellenprozente für die Sihlcity-Kirche einsetzen konnten – und musste dann nach und nach abbauen, weil die Nachfrage kleiner war als erwartet. Besser wäre, wenn man mit wenigen Stellenprozenten startet – z. B. in enger Zusammenarbeit mit den Seelsorgern im Quartier – und dann bei Bedarf aufstockt», zieht Furrer Fazit.

An einem Fest mit allen Freiwilligen und den regelmässigen Gästen wurde für die Zeit in der Sihlcity-Kirche gedankt. Die Bücher, die Meditationskissen und der Gebetsteppich haben im «Raum + Stille» des Glattzentrums ein neues Zuhause bekommen. Das dortige kirchliche Angebot ist im Aufbau und hat bewusst klein begonnen. Für die farbigen Fenster der Sihlcity-Kirche vom Künstler Hans Erni wird noch eine neue Verwendung gesucht.

Meinrad Furrer ist jetzt im Projekt «Kirche urban» von «Katholisch Stadt Zürich» engagiert. «Wir sehen uns als innovation lab», sagt er. «Wir probieren neue Formen von Kirche und Glaubensleben aus und daraus entsteht etwas, das auch ausstrahlt.» 

Text: Beatrix Ledergerber

Angebot laufend

Meinrad Furrer, Seelsorger in der Sihlcity-Kirche