Editorial

Was haben Waldbrände mit dem Bettag zu tun?

Auch das gehört zum Bettag: Apokalyptische Bilder vom brennenden Regenwald im Amazonas.

Wir spüren, dass diese – teilweise von Menschen angerichtete – Naturkatastrophe zwar weit weg geschieht, aber nicht spurlos an uns vorbeiziehen wird. Wir fühlen uns ohnmächtig und wissen gleichzeitig, dass wir in der Mitverantwortung stehen.

Der eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag ist ein staatlich angeordneter Feiertag. Der Staat anerkennt damit, dass es nicht genügt, den Herausforderungen unserer Zeit ausschliesslich mit Politik, Wirtschaft oder Technik zu begegnen. Am Bettag wird ausdrücklich die spirituelle Dimension als Faktor der gesellschaftlichen Entwicklung gewürdigt.

Damit sind auch die Kirchen herausgefordert. Denn auch sie sind mitverantwortlich. Auch sie müssen den Blick auf das weiten, was nicht zu ihrem «Kerngeschäft» gehört. Wer den Bettag ernst nimmt, für den ist Glaube nicht länger eine fromme Übung fürs private Seelenheil. Und sein Glaube wird ihn auch nicht länger vom «unheiligen» Rest abheben.

Wenn wir am Bettag den brennenden Regenwald sehen, dann sind wir aufgefordert, unsere Verantwortung wahrzunehmen. Politisch, wirtschaftlich oder technisch. Wir sind aber auch spirituell gefordert. Wem im Gebet nicht einleuchtet, dass er seinen ganz konkreten Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung hier und jetzt leisten muss, der hat nicht wirklich gebetet.

Mir persönlich ist am Bettag vor allem das Danken wichtig, denn ich bin überzeugt, dass aus Dankbarkeit mehr positive Kraft entsteht als aus Furcht und Angst. Und ich hoffe inständig, dass die Dankbarkeit für unsere Schöpfung die Gier nach Erfolg und Profit besiegen wird. In diesem Sinn ist der Bettag unbedingt notwendig – auch für den Amazonas.

Text: Thomas Binotto