Luis Capilla

Ein Leben für die Migrantenseelsorge

Luis Capilla hat die Migrantenseelsorge im Kanton Zürich geprägt. Nach 13 Jahren als bischöflicher Beauftragter für Migrantenseelsorge und zuvor 33 Jahren als Leiter der Spanischen Mission in Kloten geht er nun in Pension.

Er gehe, sagt der gebürtige Spanier mit Schweizer Pass an einem seiner letzten Arbeitstage im Centrum 66 in Zürich, mit dem sprichwörtlichen lachenden und weinenden Auge. Zufrieden, weil er die Migrantenseelsorge bei seinem Nachfolger Artur Czastkiewicz in kompetenten Händen weiss und auch, weil er sich auf die Zeit mit weniger Verpflichtungen und mehr Freiheit freut. Etwas traurig aber auch, weil es nicht einfach ist, sein Lebenswerk abzugeben, das auch ihm selbst Heimat bot.

Was Luis Capilla, der sich selbst stets bescheiden zurücknimmt, nie laut sagen würde, ist, dass er auf dieses Lebenswerk auch sehr stolz ist. Als bischöflicher Beauftragter für Migrantenseelsorge hat er im Kanton Zürich erreicht, was er sich immer gewünscht hat: Die Missionen sind nicht länger eine Art Parallelgemeinschaft, sondern meist ein integraler Bestandteil einer Ortspfarrei. «Die Missionare sprechen heute alle Deutsch, sie sind gebildet und bringen sich aktiv ins Pfarreileben ein. An verschiedenen Orten wirken sie bereits als Pfarradministratoren der Ortspfarrei. Drei haben als Priester die Verantwortung für eine Pfarrei übernommen.»

Die Missionare bei ihrer Ankunft in der Schweiz in die seelsorgerliche Arbeit und das duale Kirchensystem einzuführen, sie in ihrer Aufgabe zu begleiten und zu unterstützen, war das, was dem heute 75-Jährigen stets besondere Freude machte. «Gerade Missionarswechsel waren emotionale Momente, nicht nur für mich – auch für die Missionen. Da konnten die Reaktionen auch mal heftig sein. Die Spanier in Winterthur und die Italiener in Uster zum Beispiel wehrten sich 2007 sehr gegen den Weggang ihres Missionars. Ein paar Monate später bedankten sie sich überschwänglich für ihren neuen Seelsorger.»

Missionare, die sich nicht bewährten zu entlassen, war für Capilla schwierig: «Für mich sind Missionare Mitbrüder – doch das Leben der Gemeinde geht vor. Von Missionaren, die der Gemeinde nicht dienen wollten, musste ich mich trennen.»

Den Menschen dienen – das ist Luis Capillastets das Wichtigste. «Und zwar mit Freude und Humor», fügt er schmunzelnd an. Vor 50 Jahren zum Theologiestudium nach Chur gekommen, war Luis Capilla anfänglich jahrelang als Seelsorger in Barackendörfern auf Baustellen unterwegs. 90 Prozent Sozialarbeiter sei er für die Menschen aus aller Welt damals gewesen und nur 10 Prozent Priester, erinnert er sich. Heute sei es genau umgekehrt. Damals wie heute jedoch sind die Missionen Heimat zwischen den Welten – und eine Bereicherung für die Pfarreien. «Die inzwischen 21 Missionen aus 161 Ländern bilden die ganze katholische Welt ab. Die 130 000 Personen stellen über einen Drittel der Katholiken Kanton Zürich. Ein enormes Potential, das es zu wertschätzen gilt.»

Text: Pia Stadler

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Aus dem Leben eines Migrantenseelsorgers

1980, erinnert sich Luis Capilla, sei er von der Vormundschaftsbehörde in Glattbrugg gebeten worden, im spanischen Castellón ein Baby abzuholen. Eine junge Frau sei dort in den Ferien schwanger geworden, dann jedoch ohne ihr neugeborenes Mädchen in die Schweiz zurückgekehrt. 

Etwas erstaunt habe er sich erkundigt, ob nicht vielleicht eine Krankenschwester die bessere Wahl für diesen Dienst sei. Offensichtlich aber liess sich keine Frau finden.

Ausgerüstet mit einem Kindertragekorb, mit Decken und Milchflasche habe er deshalb das Flugzeug bestiegen. Und, da sein Heimatdorf in der Nähe des Zielflughafens lag, beschlossen, seine Mutter zu besuchen. Diese sei sehr erschrocken, als sie ihn mit dem Tragkorb sah – natürlich dachte sie, das Kind sei von ihm…

Nach dem Besuch von Konsulat und Spital wieder auf dem Heimflug, habe das Baby hungrig nach der Milchflasche verlangt. Als er die Stewardess gebeten habe, die Flasche zu wärmen, hätte diese ihn lächelnd gefragt: «Sind Sie der Vater?» Nein, habe er geantwortet, «ich bin der Pfarrer…»

In Glattbrugg habe er das Mädchen der Vormundschaftsbehörde übergeben – und seither nichts mehr von ihm gehört.