Sarina Süss (25)

100 Jahre Frauenbund

Der Katholische Frauenbund Zürich wurde vor 100 Jahren gegründet. Für jedes Jahrzehnt ein Frauenporträt.

Sarina Süss hat dem Katholischen Frauenbund ein Fenster aufgemacht, ein Fenster in eine neue Welt: in die digitale Welt. Zum Abschluss ihres Studiums in «Journalismus und Organisationskommunikation» an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW sollte sie eine Arbeit schreiben. Ihre Forschung und ihre Zeit hat sie dafür eingesetzt, für den KFB ein sogenanntes «Social-Media-Konzept» zu entwickeln. «Social Media», das sind die sozialen Medien im Internet. Instagram, Snapchat und Facebook zählen dazu, Twitter und YouTube ebenfalls. Allesamt bieten sie die Möglichkeit, miteinander zu kommunizieren und sich zu vernetzen. «Ich habe an einer Generalversammlung eine Umfrage unter den Frauen gemacht. Die Auswertung hat ergeben, dass der Frauenbund am ehesten Facebook nützen sollte. Das passt gut zu der angesprochenen Altersgruppe», so Sarina Süss.

Wer heute auf Facebook sucht, findet keine eigene Seite des KFB. Dabei hat die junge Frau ihre Arbeit bereits im Jahr 2018 abgeschlossen. Sarina Süss hat Verständnis: «Wenn man die Kommunikation über soziale Medien professionell aufziehen möchte, ist das ein sehr sehr grosser Aufwand.» Ihre Arbeit zeigt ausserdem, dass in der Zielgruppe nicht wenige Frauen sind, die das Internet bisher kaum bis gar nicht benützen. «Es wären mega viele Schritte notwendig, die Mitglieder an die digitale Welt heranzuführen.» Gerade diese Spannung war es ursprünglich gewesen, die sie an der ausgeschriebenen Bachelor-Arbeit gereizt hatte: die «jungen und coolen» sozialen Medien mit dem «Traditionellen» zu verbinden, für das der Frauenbund steht. Ob das funktioniert? «Das würde sich zeigen, wenn der Frauenbund das Konzept realisieren würde.»

Auch der Frauenbund hat ein Fenster aufgemacht. Sarina Süss, die «auf dem Papier reformiert» ist und nicht in die Kirche geht, hat ebenfalls einen Einblick in eine neue Welt bekommen: in die katholische. «Ich dachte, in der katholischen Kirche ist es eher engstirnig und streng. Der Frauenbund hat einen sehr sympathischen Eindruck auf mich gemacht. Der Glaube steht gar nicht so krass im Zentrum. Es geht mehr darum, sich gegenseitig zu unterstützen.» Mitglied beim KFB ist Sarina Süss dennoch nicht geworden. «Die Themen interessieren mich, ich möchte mich aber unabhängig von der Kirche engagieren.» Was junge Frauen wie sie bräuchten, um mitzumachen? «Temporäre Projekte, in denen man sich für eine begrenzte Zeit einbringen kann. Und eine Kommunikation, die klar zeigt, dass sich der KFB konkret für Menschen aller Religionen und jeder Herkunft einsetzt – und nichts zu tun hat mit den negativen Vorurteilen gegenüber der katholischen Kirche.»

Text: Veronika Jehle