Editorial

Haltlose Barrieren

Manchmal wünschte ich mir, der Heilige Geist würde als Tornado herniederfahren.

In mir toben Wirbelsturmfantasien, weil für die Amazonas-Synode auch nicht ordinierte Männer Stimmrecht erhalten. Ist doch gut, wenn nicht nur Priester abstimmen! – Im Prinzip ja, aber Frauen bleiben vom Stimmrecht weiterhin ausgeschlossen. Konkret: Ordensbrüder dürfen abstimmen – Ordensfrauen nicht.

Die real existierende katholische Kirche erinnert mich in diesen Momenten absurder Realitätsverweigerung an den real untergegangenen Ostblock.

Frage an Radio Ignorantia: «Sind sich Frauen und Männer in der katholischen Kirche ebenbürtig?» – Antwort: «Im Prinzip ja, aber die Details regeln die Männer unter sich!» Salbungsvoll erklären katholische Stimmrechtsträger, dass die Frau im Prinzip gleichwertig sei; dass sie im Prinzip für die Kirche unverzichtbare Dienste leiste; dass sie im Prinzip Kardinalin werden könne; dass sie im Prinzip die Würde einer Himmelskönigin habe. Im Prinzip ja, aber…

Ich reibe mir immer wieder verwundert die Augen darüber, dass die treuesten, fleissigsten und geduldigsten Mitglieder der katholischen Kirche, und genau das sind die Frauen, nicht massenhaft den Bettel hinschmeissen und der Kirche mit einem trotzigen «Dann macht den Kram doch allein!» den Rücken kehren.

Tun Bewegungen wie «Voices of Faith» oder «Maria 2.0» nicht. Selbst wenn sie protestieren oder streiken, halten sie dieser Kirche die Treue und hoffen mit immer noch erstaunlicher Geduld darauf, dass sich die Stimmrechtsträger endlich besinnen.

Wenn es nach mir ginge, würde ich dem Vatikan und seinem ganzen Mannsvolk einen oder besser noch mehrere Tornados auf den Hals wünschen. – Mann sei froh, dass sich besonnene Frauen wie Priorin Irene Gassmann und Doris Wagner wehren!

Text: Thomas Binotto