Spiritualität ganz alltäglich

Reden über «Gott und die Welt»

Rudolf Vögele – Leiter des Ressorts Pastoral im Generalvikariat Zürich-Glarus – erklärt wie alltägliches Reden über «Gott und die Welt» mit Spiritualität zusammenhängt.

«Wir haben ‹über Gott und die Welt› geredet», höre ich oft. Frage ich nach, wurde jedoch weniger über «Gott» gesprochen. Vielmehr steht das Thema «Welt» im Fokus, unser Planet und seine Zukunft. Klimawandel, Umweltkatastrophen, Plastik, CO2 und anderes mehr sind Themen, die sehr viele bewegen, die vielen auch Angst machen. Deshalb konzentrieren sich viele auf die eigene kleine Lebenswelt, und nicht wenige klagen über die Komplexität und Undurchschaubarkeit politischer, gesellschaftlicher oder finanzieller Probleme.

Aus dieser Angst oder Enge heraus sind dann Aussagen zu hören wie «Da kann ich ja eh nichts daran ändern!» In seiner Enzyklika «Laudato Si» schreibt Papst Franziskus treffend: «Haltungen, welche – selbst unter den Gläubigen – die Lösungswege blockieren, reichen von der Leugnung des Problems bis zur Gleichgültigkeit, zur bequemen Resignation oder zum blinden Vertrauen auf die technischen Lösungen. Wir brauchen aber eine neue universale Solidarität. Es bedarf der Talente und des Engagements aller, um den durch den menschlichen Missbrauch der Schöpfung Gottes angerichteten Schaden wiedergutzumachen.»

Es macht mir Hoffnung, wenn Gespräche «über die Welt» in die Frage münden: Was tue ich oder könnte ich tun, damit es mit der Zerstörung dieser einen Welt nicht so weitergeht? Dann nimmt diese fragende Person nämlich eine andere Weltanschauung an: Sie sieht die Welt aus der Sicht des Schöpfers – aus der Sicht Gottes! Gegebenenfalls macht sie sich zu einem Werkzeug Gottes, wenn sie nicht nur dafür demonstriert, dass noch gerettet wird, was zu retten ist, sondern zu dieser Rettung wirklich einen Beitrag leistet.

So macht es für mich Sinn, zu sagen: Wir haben «über Gott und die Welt» geredet – auch wenn der, den wir Gott nennen, nicht ausdrücklich zur Sprache kommt. Wenn ich Jesus richtig verstehe, liebt uns Gott nicht deshalb, weil wir seinen Namen bei jeder – manchmal auch unpassenden – Gelegenheit in den Mund nehmen. Sondern wenn und weil wir in seinem Sinn handeln. Und das tun heute viele, auch die, die sich nicht zu Gott oder zu einer seiner Religionen oder Kirchen bekennen.

Mit Menschen heute «über Gott und die Welt reden» heisst meines Erachtens, sehr aufmerksam wahrzunehmen, wo Gott vielleicht schon längst da ist, bevor wir ihn zur Sprache bringen.

Text: Rudolf Vögele, Leiter Ressort Pastoral im Generalvikariat Zürich-Glarus