Filmtipp

«Systemsprenger»

«Systemsprenger» ist die Geschichte eines neunjährigen Mädchens, das die Grenzen der sozialen Institutionen zu sprengen vermag, indem es erbittert um die Beziehung zu seiner Mutter kämpft.

Dieser Film ist eine Zumutung. Da schleudert einem Benni, ein neunjähriges Mädchen, Plastikautos entgegen, geht mit dem Messer auf andere los, rennt mitten in der Nacht auf befahrener Strasse herum, um sich nach Hause chauffieren zu lassen. Nach Hause aber darf sie nicht. Die Mutter hat Angst vor Benni, was man verstehen kann.

«Mama, Mama, Mama!» ruft Benni in den Wald, wo sie drei Wochen mit Micha verbringen darf.  Sie hört nur ihr Echo, es verhallt. Micha verbringt mit ihr drei Wochen in einer Hütte. Es ist ein weiterer verzweifelter Versuch, Benni zur Ruhe kommen zu lassen, Benni zu zähmen. Micha ist Erzieher. Benni nennt Micha beim Namen, alle anderen sind schlicht Erzieher und machen einfach ihre Arbeit. Benni will mehr, sie will Beziehung. Sie testet alle mit ihren emotionalen Ausbrüchen. Zweimal landet sie sediert in der psychiatrischen Klinik. Eines Tages bricht die Sozialarbeiterin zusammen, sie findet für Benni keinen Betreuungsplatz mehr. Benni streicht ihr über den Kopf und tröstet sie. Das ist eine der Szenen, die einem fast das Herz sprengen.

Systemsprenger ist ein gewaltiger Film in vielerlei Hinsicht. Er zeigt uns am Beispiel eines neunjährigen Mädchens die Grenzen eines institutionellen Systems. Aus der Perspektive von Benni legt er die klare Forderung auf den Tisch: ich will geliebt werden, nicht versorgt und ich will mich auf diese Liebe verlassen können: immer!

Text: Eva Meienberg, medientipp