Rachel Grieder

Guter Stil zeugt von Respekt

«Meine Alltagskleidung ist nicht von der Religion beeinflusst, mein Schmuck schon.»

Meine Kleider sind ein Ausdruck davon, wie ich mich gerade fühle. Und gleichzeitig beeinflussen sie auch meine Stimmung. Mit dem, was ich anziehe, kann ich bewirken, dass es mir besser geht. Wenn ich mal schlecht drauf bin, wähle ich etwas Bequemes, Simples, so kann ich besser entspannen. Auch in intensiven Lernphasen mag ich es gerne leger. Danach darf es durchaus auch mal wieder ausgefallener und bunter sein. Aber ich würde mich unwohl fühlen, wenn meine Kleidung nicht zu einer Situation oder einem Anlass passte. Je nachdem wo ich hingehe, an die Uni, in die Synagoge oder in den Ausgang, passe ich meinen Style an. Guten Stil erachte ich als ein Zeichen des Respekts – anderen und mir selbst gegenüber.

Religiöser Schmuck
Meine Kleidung ist nicht religiös beeinflusst, mein Schmuck jedoch schon. Ich trage immer etwas Kleines bei mir, zum Beispiel einen Anhänger, auf dem «Naomi» in Hebräisch geschrieben steht. Das ist der Name meiner Mutter. Ich trage meist auch einen oder mehrere Davidsterne. Man nennt ihn auch den «Schild Davids». Er ist ein Symbol für das Judentum und die zwölf Stämme Israels und stellt die Beziehung zwischen Gott und den Menschen dar. Das Dreieck, das nach unten weist, zeigt, dass der Mensch sein Leben von Gott erhalten hat. Das Dreieck mit der Spitze nach oben symbolisiert die Rückkehr des Menschen zu Gott.
Meine Schmuckanhänger lege ich fast nie ab, auch nicht, wenn ich im Ausgang bin. Sie sind für mich eine Art Talisman. Noch nie hat sich irgendjemand negativ darüber geäussert. Vielleicht wäre das in gewissen Ländern anders, dann würde ich sie wohl nicht so sichtbar tragen. Religiöse Symbole, die nichts mit dem Judentum zu tun haben, kommen für mich als Schmuck nicht in Frage.

Kleid, lange Ärmel, Schal
Im orthodoxen Judentum gibt es den «Zniut» (hebräisch: Bescheidenheit und Sittsamkeit). Dieser Verhaltenskodex gibt vor, wie man sich öffentlich kleiden und verhalten soll. Verheiratete orthodoxe jüdische Frauen sollen demnach ihr Haar bedecken, etwa mit einer Haube, einem Schal oder einer Perücke. Ich befolge diese Vorschrift nicht, weil ich mich damit unwohl fühlen würde.
An einer jüdischen Hochzeit würde ich ein knielanges, schulterdeckendes schwarzes Kleid tragen und dazu einen breiten Schal. Dieses Outfit würde auch bei anderen Gelegenheiten passen, auch unterwegs in der Stadt. Einzig in der Synagoge wäre diese Kleidung nicht angebracht. Dort braucht es ein längeres Kleid mit langen Ärmeln, das man ohne Schal trägt.

Text: Anouk Hiedl

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Rachel Grieder, 22: Die Jüdin studiert Politik- und Rechtswissenschaften an der Universität Zürich.