Thomas Gfeller

Passend: Fliege und Socken

«Wahrscheinlich habe ich eine ‹Sockenneurose›. Ich wechsle sie mehrmals am Tag.»

Wahrscheinlich habe ich eine «Sockenneurose». Ich wechsle sie mehrmals am Tag. Seitdem ich sie selber entwerfe, habe ich eine grosse Auswahl zur Verfügung. Was nie ändert, ist meine weisse Uhr, die trage ich immer. Wenn ich vergesse, sie anzuziehen, fehlt sie mir den ganzen Tag. Die Uhr passt bestens zu weissen und farbigen Socken und zu den weissen Schuhen, die ich meistens trage. Für den seltenen Fall, dass ich doch mal schwarze Schuhe anhabe, hätte ich zur Not auch eine schwarze Uhr. Und ja, im Winter trage ich oft schwarze Jeans. Dennoch mag ich Weiss viel lieber als Schwarz.

Angemessener Kleidungsstil
Meine Tattoos habe ich immer dabei und kann sie nicht vergessen wie die Uhr. Das erste Sujet, das ich mir stechen liess, zeigt eine Tonbandkassette. Ich liebe Musik ganz verschiedener Stile, auch religiöse. Das Tattoo steht für den Musikteppich, der mich durchs Leben begleitet. Damals fand ich noch, dass Tattoos eine tiefe, bleibende Bedeutung haben müssten. Heute sehe ich das anders. Wenn ich Lust auf ein Motiv habe, lasse ich es mir tätowieren, ohne gross nachzudenken.
Aufgewachsen bin ich reformiert. Heute gehöre ich aber keiner Religion an. Dennoch unterhalte ich mich gerne mit gläubigen Menschen und finde Religionen spannend, solange sie nicht beschränkend und einengend sind. Auf Reisen besuche ich immer wieder Kirchen, Moscheen, Synagogen und Tempel, natürlich nur mit bedeckten Knien und ohne Mütze. Diese Orte sind wohl die einzigen, wo ich überprüfe, ob meine Kleidung angemessen ist.

Mehr Beachtung schenken
Für die Hochzeit habe ich ein Jackett mitgenommen, von dem ich noch nicht weiss, ob ich es wirklich tragen würde. Das Hemd und die Fliege habe ich selbst genäht. Die Fliege und die dazu passenden Socken, die ich in der letzten Schweizer Sockenfabrik stricken lasse, stammen aus meiner Kollektion «Thomas Jakobson». Ich hatte es satt, dass diesen wichtigen Kleidungsstücken so wenig Beachtung geschenkt wird und sie meist nicht zueinander passen. Darum beschloss ich, sie selber zu designen.
An einer Hochzeit würde ich immer eine Fliege tragen, ob geknüpft oder leger offen. Ich habe zwar schon oft gehört, dass sie dem Bräutigam vorbehalten sei. Das kümmert mich aber nicht.

Ich war schon an vielen Hochzeiten und habe festgestellt, dass sie immer irgendwie einen zeremoniellen Charakter haben, auch solche ohne jeden religiösen Hintergrund. Das mag ich sehr. Wäre ich religiös, käme ich vielleicht noch öfter in den Genuss von solch feierlichen Momenten.

Text: Christa Amstutz

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Thomas Gfeller, 32: Der Modedesigner und Primarlehrer ist reformiert aufgewachsen und heute nicht mehr gläubig.