Kirchenjahr

Elisabeth von Thüringen

Warum werden reiche Menschen heilig, bloss weil sie teilen? Diese Frage stellt mir das Leben meiner zweiten Namenspatronin, deren Gedenktag wir am 19. November feiern.

Elisabeth wird als Frau beschrieben, die mit allem gesegnet war: edle Abstammung, vielversprechende Zukunft durch Heirat, solider Wohlstand, gut gebildet, und schön, selbstverständlich. Ihr Leben fällt ins 13. Jahrhundert, eine Zeit der Burgen und Landgrafen, der Kriege um Gottes Willen und einer wundersam tiefen Frömmigkeit.

Elisabeth aber wächst über den Luxus hinaus: Weder behält sie ihre Güter für sich, noch begnügt sie sich mit einer Frömmigkeit der wohlklingenden Worte. Sie pflegt Kranke, bringt Brot von ihrer Burg zu den Leuten hinunter, später wird sie ein Spital gründen. Bemerkenswert.

Schon Jesus wusste, wie schwer es gerade für die Wohlhabenden ist, diese sogenannte Freiheit der Kinder Gottes zu erlangen. Dahinter steckt die eigenartige Logik der Realität: Wer mehr hat, teilt weniger leicht. Und so ist wohl eine Antwort auf die Frage vom Anfang: Ob nun reich oder arm – das Teilen der eigenen Gaben bleibt der Schlüssel zur Heiligkeit, und zwar für alle.

Interessant ist, dass es eine Parallele gibt zwischen Elisabeth und Siddhartha Gautama, dem Buddha. Beide brechen aus, um unter den
Armen sich selbst und das Leben zu finden.

Text: Veronika Elisabeth Jehle