100 Jahre Frauenbund

Lia Rothenbühler (19)

Als Lias Mutter so alt war wie Lia heute, war sie in der Jubla. Später, als Lia zur Welt gekommen war, trat ihre Mutter dem Frauenverein bei, bei dem ihre eigene Mutter – Lias Grossmutter – bereits dabei war.

Heute ist Lia in der Jubla, sie ist Scharleiterin. Ihre Mutter ist Präsidentin des Frauenvereins geworden, bei dem die Grossmutter weiterhin aktives Mitglied ist. Beim Frauenverein Rüti-Tann-Dürnten-Bubikon.

Ob Lia auch einmal Mitglied beim Frauenverein werden wird? «Wieso nicht? Wenn ich Kinder habe, die in der Jubla sind, kann ich mir das sicher vorstellen.» Auch wenn es natürlich schwierig ist, das jetzt schon zu sagen. Denn nach Abschluss ihrer Lehre als Drogistin geht es erst einmal auf Reisen. Und da die junge Frau, die auch einmal Ministrantin war, neben ihrer Aufgabe als Scharleiterin auch immer sehr gerne Unihockey gespielt hat, hat sie ein Flair fürs Sportliche. Ihr Traum ist es, eine Ausbildung zur Physiotherapeutin zu beginnen. Bevor sie vielleicht Rettungssanitäterin wird. «Das kann man aber erst mit Mitte zwanzig werden, bis dahin muss ich ja auch noch etwas machen.»

Lia Rothenbühler ist in Rüti verwurzelt. Die Welt, in der sie sich dort bewegt, beschreibt sie als «multikulti». Als Scharleiterin erlebt sie die vielfältigen kulturellen und religiösen Hintergründe der Kinder und ihrer Eltern, zur katholischen Kirche und ihrer Tradition haben wenige einen Bezug. «Wie finden wir eine gute Balance zwischen dem Katholischen und dem, was den Leuten zusagt?» Anderthalb Stunden Jugendgottesdienst in der Kirche, das gehe heute schlichtweg nicht mehr. Um die Kinder zu erreichen, machen sie es
anders: Sie setzen kurze, besinnliche Momente zwischendurch. «Offen denken» und «es anders machen» – Lia
Rothenbühler macht damit gute Erfahrungen als Scharleiterin, aktuell müssen sie sich keine Sorgen um Nachwuchs in der Jubla machen. «Die Frauenvereine müssten auch in diese Haltung kommen», ist sie überzeugt. Und weil sie zumindest das Angebot des Frauenvereins in Rüti kennt, weiss sie, dass es dort jetzt schon «coole Angebote» gibt, die «nicht so stier» sind. «Darum glaube ich, lebt der Frauenbund sicher weiter.»

Weiterlebt, wer sich verändert – so sieht das die junge Frau. Und wer sich einsetzt, für das, wofür er steht. Das
wären beim KFB die Frauen in der katholischen Kirche. «Wir Frauen sind zu wenig integriert.» Fest macht sie das an zwei Punkten: «Warum muss ein Pfarrer ein Mann sein? Warum darf man als Pfarrer keine Kinder haben?» Gleichberechtigung also als Zukunftsvision? «Unbedingt. Sonst kommen wir nicht weiter, habe ich das Gefühl.»

Text: Veronika Jehle