Kräuter aus dem Kloster

Wiesen-Schafgarbe

Noch blüht es vereinzelt auf Wiesen und an Wegrändern, das Tausendblatt.

Diesen zweiten Namen verdankt die Schafgarbe ihren tausendfach fein gefiederten Blättern. Aber sie wird auch ihrem offiziellen Namen gerecht: «Garwe» ist das althochdeutsche Wort für «Gesundmacher, Heiler». Sie wurde zwar tatsächlich bei kranken Schafen eingesetzt, hilft aber seit Jahrtausenden ebenso den Menschen – vor allem bei Leiden, die mit dem Blut oder den Nerven zusammenhängen. Seit der auch in der Medizin bewanderte griechische Held Achilleus die weissblühende Pflanze verwendet hatte, wird sie dank ihrer blutreinigenden Wirkung in der Wundheilung eingesetzt: als Badezusatz, Tinktur oder Tee. Letzterer hilft auch bei Durchblutungsstörungen und Menstruationsbeschwerden sowie Migräne, nervösem Herzen und Stress. Dazu wird ein Teelöffel des getrockneten Krauts mit 250 ml heissem Wasser übergossen und fünf Minuten ziehen gelassen.

Obwohl die Schafgarbe unterschiedslos auch bei Männern ihre Wirkung entfaltet, gilt sie wie beispielsweise der Frauenmantel als ein typisches Frauenheilkraut. Dies schlägt sich im Spruch nieder: «Schafgarb' im Leib tut gut jedem Weib.» Wie das Johanniskraut und der Salbei gehört sie zu den Pflanzen, die man am 15. August anlässlich des Festes Maria Himmelfahrt zu Kräutersträusschen bindet. Zudem erinnerten ihre feinen Blätter im Mittelalter an die Augenbrauen der Venus. So wurde die Pflanze in Verbindung gebracht mit der Göttin der Liebe, der Schönheit und der Heilpflanzenkunde.  

Text: Alexandra Dosch, Dipl. Feldbotanikerin und Theologin

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Illustration aus «Kräuterbuch deß uralten Unnd in aller Welt berühmtesten Griechischen Scribenten Pedacii

Dioscoridis Anazarbaei (…).» 1614. (Buch im Besitz des Klosters Fahr)