Meine Sternstunde

Gefährlicher als das Virus

Alessandro Suter, Sozialarbeiter bei der katholischen hiv-aidsseelsorge im Kanton Zürich, teilt eine Sternstunde mit uns.

Es war ein typischer Züri-Feierabend, als mich im Tram eine Kollegin ansprach. «Wie geht es dir? Was machst du so? Wo schaffsch?» Ich outete mich als Sozialarbeiter in der «hiv-aidsseelsorge». «Oh, da hast du es sicher mit vielen traurigen einzelnen Schicksalen zu tun!»

Nachdenklich setzte ich meinen Heimweg fort und sinnierte über ihre Aussage. Okay, die Klientinnen und Klienten suchen uns in Notlagen auf und ihre Biografien könnte man nicht im Geringsten erahnen. Doch zu Zeiten, in denen ein politischer Kampf gegen armutsbetroffene Menschen geführt wird, wehre ich mich dagegen, in ihnen nur traurige einzelne Schicksale zu sehen.

Ich erlebe Menschen, welche unter der wachsenden strukturellen Ungerechtigkeit und fehlender Solidarität am stärksten leiden! Das Nichtwissen, die soziale Kälte und die Ignoranz sind gefährlicher als das HI-Virus. Betroffene können das Virus dank erfolgreicher Therapie nämlich nicht mehr weitergeben. Und im Dialog mit Menschen, die in der Dunkelheit stehen, leuchten immer mehr Sterne auf…

Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag.

Text: Alessandro Suter

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Ein Licht, das mir aufgegangen ist.

Dieses Mal mit…

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Alessandro Suter, Sozialarbeiter bei der katholischen hiv-aidsseelsorge im Kanton Zürich