Editorial

Kaufwut statt Erntedank

Am Black Friday locken die Geschäfte mit Rabatten – und wir kaufen, was das Zeug hält. Es geht aberauch anders – nachhaltiger.

An Allerheiligen stöhnen wir in Zürich über den zusätzlichen Verkehr, weil die Urschweiz ihren freien Tag zum Shoppen nutzt. In den USA stöhnen die Amerikaner am Freitag nach Thanksgiving über den beinahe Verkehrs-Kollaps, weil so viele Menschen sich freinehmen, um einkaufen zu gehen. Daher der Name Black Friday.

Wie so vieles kam der Black Friday auch zu uns. «Sag alles ab, was du am Freitag, dem 29. November, vorhattest! Alle deine Lieblings-Läden sind bei der Party dabei, nur du fehlst noch!» So wird geworben, um unsere Kauflust anzukurbeln. In der Schweiz wird ein Umsatz von 95 Millionen Franken erwartet.

Thanksgiving ist ein Erntedankfest. Ein Festtag, an dem die Menschen Gott für die Gaben der Natur danken, die uns am Leben erhalten. Und schon am Tag darauf wird die Konsumwut ins Unermessliche gesteigert, was die ohnehin schon angeschlagene Natur weiter verletzt. Alles, was wir einkaufen, benötigt Ressourcen und wird herumgekarrt.

Es geht auch anders. Es gibt Unternehmen, die ihre Läden am Black Friday schliessen, weil ihnen ein faires und nachhaltiges Wirtschaften ein Anliegen ist. Andere bieten Spenden anstatt Rabatte und geben 10 Prozent ihres Erlöses an nachhaltige Projekte ab.

«Fashion Revolution», eine Bewegung, die sich für eine nachhaltige Modeindustrie einsetzt, hat zwei einfache Alternativen zur Konsumwut: «Wenn du es nicht brauchst, kaufe es nicht.» Und: «Statt etwas zu kaufen, versuche es zu flicken oder selber zu machen!»

Gerade der Advent lädt uns ein, uns in nachhaltiger Freude einzuüben: Weniger einkaufen, dafür Freiräume schaffen, in denen der Advent – das Ankommen Gottes – möglich wird, in denen wir Gemeinschaft erleben und sich Licht in der Dunkelheit verbreitet.

Text: Beatrix Ledergerber