Impuls zum Fest

Fähig zum Frieden

Wer sich zur Krippe aufmacht, glaubt daran, dass der Mensch auch anders könnte: dass er fähig zu Liebe und Friede wäre.

Wer sich zur Krippe aufmacht, glaubt an die Macht des göttlichen Friedens. Wer sich zur Krippe aufmacht, glaubt, im kleinen Kind der Grösse und Macht Gottes zu begegnen.

Wenn heute Menschen wegen Kriegen und Terroranschlägen sagen: Wie kann man noch Weihnachten feiern, müssen wir antworten: Erst recht müssen wir jetzt Weihnachten feiern. All diese Menschen in den Krisengebieten brauchen die Krippe: die Zuversicht, dass Gott auch heute in den Dreck des Lebens kommt, uns auch dort nahe ist.

Menschen machten sich schon immer in dunkler Nacht zur Krippe auf, nicht bei Sonnenschein. So war die Situation schon vor der Geburt Christi. Wir lesen davon im Buch Jesaja, auch darin wird diese Sehnsucht nach dem Frieden Gottes aus einer Kriegsszene heraus beschrieben: «Jeder Stiefel, der dröhnend daherstampft, jeder Mantel, der mit Blut befleckt ist, wird verbrannt, wird ein Frass des Feuers.»

Auch für das alte Volk Israel spricht die Lesung in eine dunkle Nacht hinein: «Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf.» 

Weihnachten, die Krippe, ist ein Licht, ein Licht, das in der Nacht aufstrahlt. Und so feiern wird heute noch Weihnachten in der Nacht, denn Christus wurde geboren, als andere die Angst der Nacht erlebten: «In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr.» Da hinein sagt der Engel: «Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine grosse Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.»

Weihnachten muss heute erst recht gefeiert werden. Wir rufen uns dabei gegenseitig zu: Fürchtet euch nicht, Christus, der Retter, ist da. Der Friede muss zuerst einmal unser eigenes Herz erfassen. Je mehr Menschen vom göttlichen Frieden berührt werden, desto mehr können ganze Gemeinschaften und Gesellschaften Lieder der Hoffnung singen.

Grosse Parolen und Statements nach Terroranschlägen nützen nur bedingt etwas. Wir aber können uns die Krippen-Geschichte voll von Hoffnung weitererzählen, dass Gott unter schwierigen Umständen auf die Welt gekommen ist, um uns den Weg zum Frieden zu zeigen. Wir müssen unsere Sehnsucht nach Leben nicht zuschütten lassen durch Worte von Unfriede und Hass, sondern dürfen den Frieden der Krippe erahnen. Gut, haben wir unsere Krippe.

Text: Abt Urban Federer

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Der 1968 geborene und in Zürich aufgewachsene Urban Federer ist seit 2013 Vorsteher der Benediktinerabtei Einsiedeln. Im Paulusverlag ist von ihm eine Sammlung mit Meditationen zum Kirchenjahr unter dem Titel «Quellen der Gottesfreundschaft» erschienen.