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O Tannenbaum – wo kommst du her?

Weihnachten beginnt draussen auf dem Feld. Unter den grossen und kleinen, stacheligen und zarten, würzig duftenden Tannen den eigenen Christbaum finden ist ein Erlebnis.

Warm eingepackt und in guten Schuhen stapfen die Kinder durch das Feld in Rafz.Dabei müssen sie aufpassen, dass sie nicht auf die ganz kleinen Tannenbäumchen treten. Denn Armin Baur pflanzt die Setzlinge dort, wo letztes Jahr ein Weihnachtsbaum den Weg in eine Wohnstube gefunden hat. Daher stehen kleine und grosse Bäume gemischt, und es sieht nicht aus wie eine Armee im Gleichschritt, sondern eher wie ein junger Wald. In einer Reihe stehen die Bäume aber trotzdem, denn sie sind in die Löcher einer Plastikbahn gepflanzt. «Die Folie verhindert das Wachsen des Unkrautes. Dieses würde die kleinen Bäumchen ersticken», erklärt der Bauer. So muss er fast kein Herbizid verwenden.

Armin Baur weiss bei jedem Baum etwas zu erzählen. Er lässt die Mädchen über die Äste streichen, die Nadeln befühlen und den Tannenduft schnuppern. Die Nadeln der Blautanne stechen ziemlich, das merken die beiden sofort. «Das ist ideal, wenn man Haustiere hat. Sie gehen dann nicht an den Baum!», weiss der Bauer. Da die Rennmaus der Familie aber nicht im Weihnachtszimmer herumrennen darf, ist das nicht ausschlaggebend. Die Nordmanntanne hingegen ist ganz zart, wenn man über ihre Nadeln streicht. «Die meisten Leute wollen eine Nordmanntanne», sagt Baur. Aus dem Harz der Balsamtanne habe man früher Leim gemacht, weil dieser so schön durchsichtig ist, erfährt die Familie. An der Koreatanne schnuppern alle ausgiebig. Sie hat einen besonders würzigen, trotzdem dezenten Duft. 

Wie der Name sagt, kommt dieser Baum von weit her. «Aber alle unsere Weihnachtsbäume wachsen hier in der Schweiz», betont Armin Baur. «Die Samen kommen aus den Herkunftsländern und werden dann in Dänemark, Deutschland oder Österreich ausgesät, später pikiert und nach zwei Jahren ins Feld ausgepflanzt. Nach weiteren ein bis zwei Jahren kommen sie dann zu uns», erklärt Armin Baur. «Gewisse Transportwege sind also unumgänglich, aber das Volumen der Samen und der Setzlinge ist natürlich sehr viel kleiner, als wenn ausgewachsene Bäume herumgekarrt werden!» Einheimische Bäume seien nur die Rot- und Weisstanne, erklärt Baur: «Bis in die 70er Jahre gab es nur diese.»  Papa Benny erinnert sich: «Die haben aber sofort ihre Nadeln verloren!» 

Dann weist Armin Baur auf einen kleinen, leicht verkrüppelten Setzling hin. «Der hatte im Sommer zu heiss. Aber er wird sich erholen.» Wer sich allerdings nicht mehr erholt hat, war die Riesentanne, die – wie der Name sagt – bis 85 Meter hoch wachsen kann. «Hier auf dem Rafzerfeld haben die noch jungen Bäumchen Sonnenbrand bekommen», erzählt Baur. «Das gibt es auch bei Tannen. Ihre Nadeln wurden ganz gesprenkelt.» Daher hat er diese Sorte aus dem Sortiment genommen. «Die Bäume brauchen Pflege», erklärt der Bauer. Im Frühling wird gepflanzt, den Sommer über die Äste geschnitten oder ein Astregler eingesetzt, der ein harmonisches Wachstum befördert. 

«Hier hat man ja die Qual der Wahl», seufzt Mama Monika. So viele mögliche Weihnachtsbäume ... Schon ruft Dahlia hinter einer Tanne hervor: «Diese hier ist doch auch noch schön!» Die achtjährige Joelina stellt sich daneben, der Baum ist knapp grösser als sie. Da meint sie trocken: «Chli chli!» Also schlägt Dahlia eine grössere vor – die aber kaum mehr ins Zimmer passt, wie der Papa erklärt. Und er meint: «Wollen wir die weisse Tanne dort?» Joelina kontert: «Die ist aber blau!» Tatsächlich haben die Nadeln der Engelmannsfichte einen weiss-bläulichen Schimmer. «Da ist ja schon der Name wunderschön!», ruft Mama Monika. «Das ist etwas Besonderes. So einen Baum hatten wir noch nie.» Die Grösse passt auch, nicht ganz bis zur Zimmerdecke, aber grösser als die beiden Mädchen. «Dieser Baum kam als vierjähriger Setzling zu uns. Wir haben ihn im Jahr 2012 eingepflanzt», erklärt Baur. Die Tanne ist also elf Jahre alt – etwas älter als Joelina und jünger als die 13-jährige Dahlia. 

Im Schopf, bei Weihnachtsguetzli, Glühwein, Kaffee und für die Kinder einer Cola, erzählt die Familie, was der soeben erstandenen Engelmannsfichte bevorsteht. Bis nach Glattfelden, wo die Familie wohnt, ist der Transportweg kurz. «Dann stellen wir den Baum sofort ins Wasser», weiss Dahlia. «Kurz vor Weihnachten nehmen wir die Tanne in die Stube und schmücken sie. Ich nehme unsere goldenen Christbaum-Kugeln und füge jeder den kleinen Haken ein. Joelina hängt sie dann an den Christbaum. Die Kerzen steckt Papa an.» «Unter den Baum kommt noch die Krippe!», ergänzt Joelina. 

Der Heiligabend hat seinen festen Ablauf: «Um 17 Uhr gehen wir in die Kirche in Rafz, wo ein Kinder-Weihnachtsgottesdienst stattfindet», sagt die Mama. «Wenn wir nach Hause kommen, essen wir zuerst, dann gehen wir in unser Zimmer und spielen. Und warten auf das Christkind!», erzählt Dahlia. «Wenn das Glöcklein läutet, rennen wir runter und sehen die Kerzen und Geschenke.» Und einmal hat Dahlia – noch klein – sogar das Christkind davonfliegen sehen. 

Aber auch jetzt müssen die Kinder noch einen Moment warten: «Zuerst singen wir, dann gibt es ein Weihnachtsfoto», sagt Mama Monika.  Dann aber wird bestaunt, was das Christkind gebracht hat. Jedenfalls: Weihnachten ohne Christbaum kann sich niemand der Familie vorstellen. Und dieses Jahr ist die Tanne mehr als nur Trägerin von Kerzen und Kugeln. Sie hat eine Geschichte, ein Alter und einen weihnächtlichen Namen. 

Der Christbaum-Check (Bayerischer Rundfunk)

Wie kommt der riesige Weihnachtsbaum auf den Marienplatz in München

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer

Wie ökologisch ist der Weihnachtsbaum? 

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Über die Ökobilanz von Weihnachtsbäumen wird viel diskutiert. Plastik-Bäume stammen oft aus China und belasten das Klima erst nach mehrmaligem Gebrauch weniger als echte Bäume. Bei diesen gilt: je kürzer die Transportwege, umso besser die Klimabilanz. Werden die Weihnachtsbäume anschliessend verbrannt, ist ihre Ökobilanz wiederum schlechter, als wenn sie gehäckselt und kompostiert werden. Werden sie in Holzschnitzel-Heizungen zur Wärmeversorgung eingesetzt, sind sie wiederum ökologischer als Öl. 

 

Ein Hektar Weihnachtsbaumkultur bindet während der Wachstumszeit von über zehn Jahren bis zu 145 Tonnen COund produziert gleichzeitig bis zu 105 Tonnen Sauerstoff. Viele Tierarten lieben die Kulturen als Rückzugsort. Singvögel nisten in den Tannen, für Feldhasen und Igel sind die zukünftigen Weihnachtsbäume ein willkommener Unterschlupf. Bereits geschnittene, aber nicht verkaufte Weihnachtsbäume werden in Tierparks und Zoos verfüttert. 

Woher kommt der Christbaum?

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Immergrüne Pflanzen verkörpern Lebenskraft, daher wurde schon in vorchristlicher Zeit gerne das Haus mit Grünem geschmückt. Der heutige Christbaum geht auf den «Paradiesbaum» zurück: Der 24. Dezember war bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil auch der Gedenktag von Adam und Eva. Daher wurden in der Kirche «Paradiesspiele» aufgeführt, bei denen der «Baum der Erkenntnis» mit Äpfeln behängt wurde, damit Eva einen davon pflücken und in der nachgespielten Geschichte Adam anbieten konnte. Mit Weihnachten verbunden wurde die Geschichte durch Jesus, der durch seine Geburt und seinen Tod am Kreuz die Menschen erlöst. 

 

Erstmals in einer Akte erwähnt wird der Weihnachtsbaum 1527 in Mainz. Der Brauch war zunächst im Elsass verbreitet und wurde im 18. Jahrhundert populär. Allerdings konnten sich nur reiche Leute einen Christbaum in der eigenen Stube leisten, da Tannenbäume in Mitteleuropa selten waren. Erst als ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vermehrt Tannen- und Fichtenwälder angelegt wurden, trat der Weihnachtsbaum seinen Siegeszug an und war bald in allen Haushalten zu finden.