Meine Sternstunde

Gestrandet

Jürgen Rotner – Seelsorger in der Bahnhofkirche am Hauptbahnhof Zürich – teilt eine Sternstunde mit uns.

Als ich zum Sonntagseinsatz in der Bahnhofkirche ankomme, sitzt neben der Türe ein junger Mann, keine zwanzig Jahre alt, mit Schürfwunden im Gesicht und einer aufgesprungenen blutigen Lippe. Sofort bittet er um ein Gespräch: Er sei zum Feiern nach Zürich gekommen, hätte mehr als zuträglich Alkohol genossen und sei von Unbekannten überfallen und ausgeraubt worden. Im Krankenhaus sei er zu sich gekommen, zum Glück sei nichts gebrochen und es seien auch keine gröberen Verletzungen vorhanden. Alles Geld allerdings, Karten und Ausweise seien weg. Er wisse nun nicht, wie er zurück nach Deutschland kommen soll.

Ich höre zu, und da andere Stellen, die helfen könnten, sonntags geschlossen sind, gehe ich mit ihm und bezahle die Fahrkarte. Sichtlich erleichtert bedankt sich der junge Mann und hinterlässt seine Kontaktangaben. Zwei Wochen später spricht mich meine Vorgesetzte an: Auf dem Konto der Bahnhofkirche sei eine Einzahlung für das Billett eingetroffen – mit einem Dank dafür, dass es noch Vertrauen gibt.

Text: Jürgen Rotner

Angebot laufend

Ein Licht, das mir aufgegangen ist. Dieses Mal mit…

Angebot laufend

Jürgen Rotner, Seelsorger in der Bahnhofkirche am Hauptbahnhof Zürich