Editorial

Spielerischer Übergang

«Während der Feiertage haben wir viel Besuch, auch mit Kindern, die es immer unglaublich schätzen, die im Keller verstauten Kisten mit Spielsachen hervorzuholen.»

Im Nu verwandelt sich unsere Stube dann in ein Reich von Playmobil, Lego und Fahrzeugen aller Art. Und wenn die Eltern zum Aufbruch mahnen, wird gemeinschaftlich alles aufgeräumt und wieder versorgt.

Aber Tage später lacht mich aus dem Pflanzenkübel ein Spielzeugauto an. Plötzlich entdecke ich ein Playmobil-Männchen, das auf dem Büchergestell sitzt. Und das kleine Flugzeug, das in der Zimmerecke auf der Startbahn bereitsteht. Ich schmunzle und freue mich über die Kraft der Kinder, unsere Wirklichkeit zu verändern.

Auch für uns Erwachsene ist Spielen heilsam. Das erleben wir oft an Silvester, den wir immer mit Freunden feiern. Essen, plaudern, spielen und zum Glockenschlag um Mitternacht anstossen: Spielerisch leicht begehen wir so unseren Übergang ins neue Jahr. Im Spiel tauchen wir in eine andere Welt ein, öffnen fantasievoll und kreativ neue Wege, denken unkonventionell und vertiefen die Gemeinschaft. Das hilft uns, mutig ins neue Jahr zu starten – viel mehr als Rückblicke auf Probleme ohne Lösung und Ausblicke voll von guten Vorsätzen, die nicht einzuhalten sind.

Wir alle haben ein Bedürfnis, Übergänge zu gestalten, weil sonst die Zeit praktisch unbemerkt an uns vorbeizieht. Wir möchten Erinnerungen festhalten, um all dem Wandel etwas Bleibendes entgegenzustellen, um unserer selbst gewiss zu werden und daraus Kraft für Neues zu schöpfen. Darum feiern wir Silvester. Damit wir im neuen Jahr nicht nur beim Spielen, sondern auch in unserem ganz gewöhnlichen Alltag bereit sind, die Wirklichkeit zu verändern, überraschende Momente zu erleben, neue Wege zu gehen.

Text: Beatrix Ledergerber