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Wohnraum für Studierende

Die Zürcher Hochschulen ziehen junge Leute aus aller Welt an. Bezahlbaren Wohnraum bieten ihnen Studentenhäuser, die von katholischen Stiftungen oder Vereinen getragen werden. 

«Das Maximilianeum hat die schönste Dachterrasse von Zürich», schwärmt Agne˙ Ulyté und zeigt die grandiose Aussicht, vom Zürichsee über die Kirchtürme von Liebfrauen, über Altstadt-Dächer bis zu den Bergen. «Wenn ich Besuch aus meiner Heimat Litauen habe, lade ich sie im Sommer immer hier oben zum Brunch ein.» Nach dem Medizinstudium und der  Zeit als Assistenzärztin ist sie an ihrer Doktorarbeit in Epidemiologie chronischer Krankheiten. Sie forscht und arbeitet am Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention – gleich unterhalb des Maximilianeums an der Auf-der-Mauer Strasse, wo sie ein Zimmer hat. «Ich brauche weder Tram noch Velo», sagt Agne˙. Sie ist in jeweils fünf Minuten an der Universität, der Liebfrauenkirche, wo sie gerne am Hochschulgottesdienst teilnimmt, ihrem Arbeitsplatz und dem Haus der Hochschulseelsorge aki, gleich daneben. 

Dass das Maximilianeum eigentlich ein christliches Haus ist, ist ihr nicht bewusst. Im Jahr 1907 wurde es als katholisches Heim gegründet, das jungen Männern in der Grossstadt das «Vaterhaus ersetzen» und sie im christlichen Geist erziehen sollte. Das «Max», wie es genannt wird, besteht heute aus drei Häusern und wird immer noch vom katholischen Josef-Verein getragen, der in der Liebfrauen-Pfarrei beheimatet ist.

Agnė Ulyté auf der Dachterrasse des Maximilianeum.

Agnė Ulyté auf der Dachterrasse des Maximilianeum. Foto: Christoph Wider, forum

Lander und Juan Angel in der Küche im Vinzenzheim.

Lander und Juan Angel in der Küche im Vinzenzheim. Foto: Foto: Christoph Wider, forum

Studentenwohnheime wie das Vinzenzheim bieten bezahlbaren Wohnraum in der Hochpreisstadt Zürich.

Studentenwohnheime wie das Vinzenzheim bieten bezahlbaren Wohnraum in der Hochpreisstadt Zürich. Foto: Foto: Christoph Wider, forum

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Dass es im Haus keine christlichen Veranstaltungen mehr gibt, stört Agne˙ nicht. «Mit 27 Jahren bin ich gerne auch mal für mich», sagt sie. Sie nimmt aber aktiv an den Veranstaltungen im aki teil. Das ist ihr wichtig: «Mein Zuhause kann ich nicht mitnehmen, aber mein Glaube reist mit und ich finde überall Christen, mit denen ich Gemeinschaft erleben kann.»

 

Im grossen Gemeinschaftsraum und Esssaal des Studentenhauses Vinzenz in Zürich Witikon sitzen Lander aus Spanien und Juan Angel aus Peru. Der 25-jährige Lander macht an der ETH seinen Master in Mathematik. «Hier ist es wunderschön», schwärmt er. «Ich mag es, mit Menschen aus aller Welt zusammen zu sein.» Dass er sich in einem christlichen Haus befindet, weiss er, denn er kennt die Hauskapelle. Für ihn ist der Glaube aber nicht so wichtig und das Haus sei offen für alle, was er sehr schätzt. 

 

Auch Juan Angel fühlt sich wohl im Vinzenz. «Es ist schön ruhig hier, der Wald nebenan und der Sportplatz sind super. Ich trainiere hier im Fussball.» Juan ist schon drei Jahre hier und reiste zuerst täglich nach Brugg, wo er an der Fachhochschule mit dem Bachelor abgeschlossen hat. Nun hängt er den Master in Informatik an der Uni Zürich an. Dass er dazu eine Weile Tram fahren muss, stört in gar nicht: «Verglichen mit den Wegen in meiner Heimatstadt Lima ist das ein Katzensprung.» Juan weiss, dass das Haus vom Verein «Vinzenzheim» getragen wird. Was das ist, weiss er allerdings nicht so genau. 

 

Das erklärt ihm Hans-Ueli Gubser, der mit am Tisch sitzt, gern. Er ist Präsident des Vereins und hat gerade eine rund 12-jährige Bauzeit hinter sich. «Die Vinzenzgemeinschaft ist die älteste karitative Organisation in der Schweiz und die einzige in dieser Grösse, in welcher alle Mitglieder ehrenamtlich arbeiten», sagt er stolz. «In diesem Haus hat die Gemeinschaft 1926 ein Altersheim für arme Senioren gegründet.» 1992 musste es geschlossen werden, da die Stadt Zürich ihre finanzielle Unterstützung aufkündigte. Seither werden Studierende beherbergt. «Wir unterstützen insbesondere sozial benachteiligte junge Menschen», betont Gubser. Um das weiterhin zu gewährleisten, beschloss der Verein 2007 einen Teilrück- und Neubau des Studentenhauses und gleichzeitig den Bau von Mietwohnungen auf dem eigenen Gelände, beides ist seit einem Jahr fertig gestellt. 

Den christlichen Geist des Hauses möchte Gubser vertiefen und dazu die Zusammenarbeit mit dem aki verstärken. «Mein Fernwunsch wäre, dass die Studierenden eine Vinzenzgruppe gründen, in der sie karitativ tätig werden, in Nachbarschaftshilfe, Integration usw.»

Explizit auch christliche Bildung anbieten möchten die beiden Häuser «Allenmoos» und «Sonnegg». Sie stehen Studierenden aller Überzeugungen offen, und die Teilnahme an den religiösen Angeboten ist frei und keine Bedingung, um aufgenommen zu werden. «Konkret möchten wir jungen Leuten, die später berufstätig sind und meist auch eine Familie gründen, ein christlich inspiriertes Lebensideal vermitteln, das sozusagen alltagstauglich ist; eines, das im normalen Alltag zum Tragen kommt, in Beruf, Familie und Gesellschaftsleben», sagt Allenmoos-Leiter Andi Meier. Dazu gehören soziale Qualitäten wie Rücksichtnahme und Aufmerksamkeit für Schwächere wie auch ein Berufsethos, das gute Arbeit leisten will, aber nicht Karriere und Geld an die erste Stelle stellt. 

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer

Christliche Studentenhäuser in der Stadt Zürich

Angebot laufend

Vinzenz (Foto)

 

 

 

Das Studentenwohnheim in Zürich-Witikon wird getragen vom Verein Vinzenzheim Zürich, der Teil innerhalb der Schweizerischen Vinzenzgemeinschaft ist. 

 

 

 

 

 

www.studentenhaus-danho.ch

 

www.viko.ch

 

 

 

 

 

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Maximilianeum

 

 

 

Studentenwohnheim in drei Gebäuden oberhalb Central. Es wird getragen vom Josef-Verein, welcher zur katholischen Pfarrei Liebfrauen gehört.

 

 

 

www.maximilianeum.ch

 

 

 

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Bienehüüser

 

 

 

Die zwei Häuser mit Wohngemeinschaften für Studierende werden von der Studentischen Wohngenossenschaft betrieben, gebaut wurden sie von der Allerheiligenstiftung der katholischen Pfarrei Allerheiligen.

 

 

 

www.woko.ch

 

 

 

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Justinus

 

 

 

Das Studentenhaus an der Freudenbergstrasse wird getragen vom Justinus-Verein Zürich, Teil des katholischen Justinus-Werkes Schweiz, welches Studierende aus Entwicklungsländern unterstützt. 

 

 

 

www.justinus.ch

 

 

 

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Pro Filia

 

 

 

Wohngruppe Arche für junge Frauen ab 18 Jahren an der Rötelstrasse und Wohnhaus Pro Filia für Frauen von 16 bis 25 im Seefeld Zürich. Getragen vom Pro Filia Kantonalverein Zürich, Teil des katholischen Dachverbandes Pro Filia Schweiz.

 

 

 

www.profilia-zuerich.ch

 

 

 

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Sonnegg und Allenmoos

 

 

 

 

 

Das Wohnheim Sonnegg für junge Frauen an der Scheuchzerstrasse und das Studentenhaus Allenmoos für junge Männer in Zürich-Oerlikon wird von der Kulturgemeinschaft Arbor getragen. Die christliche

 

Orientierung der beiden Häuser ist der katholischen Personalprälatur Opus Dei anvertraut.

 

 

 

 

 

 

 

www.sonnegg-zh.ch

 

www.allenmoos.ch