Editorial

Greta, Federer und die Bank…

Nur wenn alle ihren Spielraum nutzen, wird sich auch etwas bewegen.

Die Rolle als Moral-Apostelin hat Greta Thunberg ja schon länger übernommen. Nun hat sie sich unlängst einer Kritik angeschlossen, die über Twitter laut wurde, an niemand Geringerem als an Tennis-Legende Roger Federer: Kritisiert wird Federer von jungen Menschen der Klimabewegung, dass er sich von einer Bank wie der Credit Suisse sponsern lässt. Immerhin investiert die Bank weiterhin in fossile Energie und unterstützt andere Projekte, die dem Gleichgewicht unseres Erdklimas offensichtlich nicht förderlich sind.

Was entsteht, ist eine spannende Dynamik. Auch dank der feinen Reaktion von Roger Federer. Er habe grossen Respekt und Bewunderung für die Jugendklimabewegung, weiter sagt er, er wolle seine privilegierte Position für den Dialog mit seinen Sponsoren nutzen in diesen wichtigen Fragen. Da sind also drei Grosse: Greta, Federer und eine Bank. Und statt dass die Bank als Sponsorin dem Sportler die Regeln diktiert und der Sportler als grosses Vorbild die Jugend inspiriert, läuft es ein weiteres Mal anders herum.

Die Moral von der Geschichte: Inmitten aller Zwänge gibt es einen Spielraum. Greta kann sich Gehör verschaffen, ohne dass ihr jemand jemals Macht dazu gegeben hätte. Federer kann seine Verantwortung ernst nehmen, ohne sofort seine Spon-soren zu vergraulen. Und die Bank? Hat ihre Bereitschaft zum Dialog kundgetan. Wird Federer nun das Gespräch tatsächlich suchen? Wenn Sie diese Ausgabe lesen, gibt es womöglich bereits eine Antwort darauf. Sicher bin ich mir: Greta und ihre Follower werden schon darauf achten. Moral-Apostelinnen und -Apostel braucht es eben auch heute.

Text: Veronika Jehle