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Sternsinger beim Papst

In Horgen brachten über zwanzig Sternsingerinnen und Sternsinger Segen, Licht und Freude in die Häuser. Vier von ihnen waren über Neujahr beim
Papst in Rom. 

In farbigen Gewändern, mit Kronen geschmückt und mit dem grossen Stern in der Hand ziehen sie am Mittwoch der ersten Schulwoche in die Kirche ein, die über 20 jungen Sternsingerinnen und Sternsinger der Pfarrei St. Josef in Horgen. Seit dem Aussendungsgottesdienst am 2. Januar haben sie viele Menschen besucht, zuhause, in Altersheimen und Spitälern, für sie gesungen und für Kinder im Libanon und in Syrien Geld gesammelt. Stolze 11 000 Franken können sie nun ans kirchliche Hilfswerk Missio überweisen. Pfarrer Adrian Lüchinger lobt: «Es wurde heller, wenn ihr in die Häuser kamt. Ihr zeigt uns Erwachsenen, dass es nicht viel braucht, um Licht und Freude zu verschenken!» Auch ins Pfarrhaus haben die Kinder den Segen gebracht, und die Anwesenden seien zutiefst gerührt gewesen, erzählt der Pfarrer. 

Vier der Horgener Sternsinger-Kinder durften sogar nach Rom fahren und zusammen mit Sternsinger-Delegationen aus ganz Europa mit dem Papst die Neujahrsmesse feiern. Lilly, Leonard, Gioia und Olivia sprudeln. «Um halb sieben sind wir geweckt worden», erzählt Lilly (13). Denn schon um halb acht Uhr mussten sie im Petersdom anstehen. Die Messe begann erst um zehn Uhr, aber es sei durchaus kurzweilig gewesen, all die Vorbereitungen zu sehen, sagt Andrea Moresino, welche die Sternsinger-Gruppe im Namen von Missio begleitet hat. Das Warten hat sich aber offensichtlich gelohnt, denn die Horgener Kinder hatten Plätze an der rechten Seite des Altarraums und waren so Papst Franziskus sehr nahe. Dieser habe einen sympathischen Eindruck gemacht, findet Leonard (10).

Olivia (13) hat die Neujahrsmesse als «sehr speziell» erlebt, «ganz anders als in Horgen. Es waren viel mehr Leute da, und der Papst ist eine viel höhere Person! Er weiss, wie man sich benimmt, wenn man eine so hohe Person ist», umschreibt sie ihren Eindruck.  

Die Horgener waren die vierte Schweizer Sternsingergruppe, die zum Papst reisen durfte. Erstmals haben sie dieses Jahr auch Kardinal Kurt Koch getroffen. Er sei «sehr nett und lustig» gewesen, erzählt Leonard. Koch habe wissen wollen, was sie denn werden wollten. «Techniker», lautete Leonards Antwort.

«Es war eine sehr schöne, entspannte Begegnung», sagt auch Begleiterin Andrea Moresino. «Er kam eigens in unsere Unterkunft, obwohl er schon eine Stunde später den nächsten Termin hatte.»

Als besonders heben die Kinder auch den Besuch bei der Schweizergarde hervor. «Es war für uns eine Ehre, mit dem Gardekommandanten Graf zu sprechen. Schweizergardisten sprechen ja sonst nicht so», erzählt Lilly. Sie haben dort vorgesungen und die Waffenkammer besichtigt: Schwerter, Pistolen und andere Waffen. Lilly durfte an einige von acht Türen im Hof der Schweizergarde den Segen 20*C+M+B+20 schreiben. «Mehr als beide Daumen» reichten nicht aus, um die Begegnung mit der Garde zu beschreiben, findet Olivia. Vor allem die Stimmung untereinander sei top gewesen. Auch für Gioia (11) war die Stimmung innerhalb der Gruppe etwas vom Schönsten dieser Reise. «Mit zwei Kolleginnen dieser Sternsingergruppe singe ich schon seit Jahren», erzählt sie. «Wir haben das Heu auf derselben Bühne.» Sie erwähnt aber auch die schönen Gebäude der Stadt Rom. Hierher will sie denn auch mit ihrer Familie wiederkommen. Leonard erwähnt konkret das Kolosseum als eines der Highlights, denn er
interessiert sich für die Römer. Auch Olivia gefielen die Ausflüge in die Stadt. Sie hätten alles gesehen, «was Rom ausmacht».

Diese unvergessliche, spannende und bereichernde Reise ging am 2. Januar mit der Rückkehr nach Horgen zu Ende. Stolz, glücklich und hochmotiviert brachen sie ab dem 3. Januar mit allen anderen Horgener Sternsingerinnen und Sternsingern auf, um auch hier den Segen für das Jahr 2020 zu bringen. Und an diesem Mittwoch in der ersten Schulwoche dankt ihnen die Pfarrei mit einem feierlichen Gottesdienst und anschliessend mit einem feinen Nachtessen – für die Kinder, ihre Familien und die 13 freiwilligen Begleiterinnen und Begleiter, die mit ihnen unterwegs waren.

Text: Sylvia Stam, kath.ch / Beatrix Ledergerber, forum

Sternsingen - ein alter Brauch

Die Ursprünge des Sternsingens liegen vermutlich in den Dreikönigsspielen, die im Mittelalter im Gottesdienst aufgeführt wurden, um das Weihnachtsgeschehen erlebbar zu machen. Sicher belegt ist das Sternsingen erstmals im Jahr 1541 in Aufzeichnungen des Klosters St. Peter in Salzburg. Der Brauch begann im Umkreis von Bischofssitzen, Klöstern und Klosterschulen, wohl als kleiner Umzug, der sich zunehmender Beliebtheit erfreute, da das Singen von Haus zu Haus Süssigkeiten und Geschenke einbrachte. Je nach Region waren mittellose Handwerker und Soldaten oder Kinder aus armen Familien zwischen Weihnachten und dem Drei-königs-tag (6. Januar) unterwegs. 

Biblisch bezieht sich das Sternsingen auf den alttestamentlichen Tex: «Ein Stern ging in Jakob auf, ein Zepter erhebt sich in Israel.» (Num 24,17) bzw. im Evangelium der Satz der Weisen aus dem Osten: «Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.» (Mt 2,2)

Seit frühester Zeit schreiben die als Könige verkleideten Sternsinger C+M+B an die Türen der Häuser. Dies bedeutet sowohl «Caspar, Melchior und Balthasar», die Namen der drei Könige aus dem Morgenland (der Legende nach) – aber ebenso sind die drei Buchstaben die Abkürzung des lateinischen Spruchs «Christus mansionem benedicat» (Christus segne dieses Haus).

Eine Neubelebung erhielt dieses weithin vergessene Brauchtum nach dem Zweiten Weltkrieg, in Deutschland unter anderem durch das Päpstliche Missionswerk der Kinder (Aachen), in der Schweiz führt das Hilfswerk missio seit 1989 die «Aktion Stern-singen» durch. Sternsingerinnen und Sternsinger, die sich dieser Aktion anschliessen, unterstützen mit ihrem gesammelten Geld den Solidaritätsfonds «Kinder helfen Kindern» mit einem jährlich wechselnden Projekt, dieses Jahr Friedensprojekte auch für syrische Flüchtlinge im Libanon.