Filmtipp

«A Hidden Life»

Terrence Malicks neuer Film ist nicht nur eine Hommage an den Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstätter, sondern auch an seine Frau Franziska.

Jahrzehntelang galt der US-amerikanische Regisseur Terrence Malick als genialer, rätselhafter Filmemacher mit der Neigung zum Schwelgen und Raunen. Nun meldet sich der Anglikaner, der nahöstliche Wurzeln hat, mit einem sehr verständlichen, dreistündigen Werk. In «A Hidden Life» widmet er sich Franziska und Franz Jägerstätter, Bauersleuten aus Oberösterreich. Aus Gewissensgründen verweigert der Ehemann im Zweiten Weltkrieg den Kriegsdienst bei der Wehrmacht. Christentum und Nationalsozialismus sind für ihn unvereinbar. Seine Frau trägt seine Entscheidung mit. Er wird hingerichtet, sie gerät in Armut und wird sozial ausgegrenzt.

Die wahre Widerstandsgeschichte des vitalen, frommen katholischen Ehepaars nimmt der Filmemacher zum Anlass, um über den Sinn einer solchen Weigerung zu meditieren. Inwieweit besitzt der Einzelne einen freien Willen? Darf das Gewissen im Ernstfall Rücksicht nehmen auf materielle oder gesellschaftliche Bedingungen? Dies interessiert ihn.

Bildmächtig schildert er zunächst, wie das Paar in Harmonie mit der ländlichen Natur ein kleines Paradies schaffen will, das der zunehmend bedrohlichen Umwelt trotzt. Fragwürdig ist bloss, dass Malick einige Dorfbewohner stereotyp dumpf zeichnet und nicht klar wird, weswegen einige Akteure Deutsch, andere Englisch sprechen. Beklemmend berichtet er dann aber, wie auch kirchliche Amtsträger und andere Gläubige sich von den beiden distanzieren. Nach 75 Minuten besteigt Jägerstätter den Zug, der ihn in die Armee, ins Gefängnis, in Misshandlungen und inniges Gebet führt.

Zuweilen wirkt es, als beleuchte Malick seine Hauptfiguren von innen. Minutenlang beten sie. Kritiker monieren, der Film sei überlang. Doch die lange filmische Einleitung ist nötig, damit diese Gebetsszenen ihren existenziellen Ernst entfalten können. Franz und «Fani» (Franziska) verzweifeln, schreiben Briefe, bleiben Liebende und vertrauen doch. Ihr Drama legt nahe, wie menschliche Liebe und Kraft aus dem Glauben Menschen trotz Barbarei und Gewalt in innere Freiheit führen können.

Eindrücklich spielen August Diehl und Bruno Ganz. Übertroffen werden sie jedoch noch von Valerie Pachner. Sie verleiht «Fani» die Züge einer ebenso warmherzigen wie entschiedenen Frau, die ihren Mann zu dem macht, der er ist.

Niemand werde je von seinem Widerstand erfahren, vernimmt Franz immer wieder. Er antwortet nicht. Stattdessen endet der Film mit dem Zitat der britischen Schriftstellerin George Eliot, das ihm den Titel verleiht: «Dass es um mich nicht so schlecht steht, verdanken wir zur Hälfte den Menschen, die voll gläubigen Vertrauens ein Leben im Verborgenen geführt haben und in Gräbern ruhen, die kein Mensch kennt.»

«A Hidden Life» Trailer

Text: Franz-Xaver Hiestand SJ, Studentenseelsorger aki

Angebot laufend

«A Hidden Life»

Deutschland / USA 2019

174 Minuten

 

Regie und Drehbuch: Terrence Malick

Kamera: Jörg Widmer

Musik: James Newton Howard

 

Besetzung: August Diehl, Valerie Pachner, Michael Nyqvist, Matthias Schoenaerts, Jürgen Prochnow, Bruno Ganz, Alexander Fehling …

 

Verleih: Walt Disney Company

 

«A Hidden Life» läuft seit dem 30. Januar im «Kosmos» in Zürich und in der «Loge» in Winterthur.