Editorial

Bewegung durch bewegen

Im Vatikan wird eine Kurienreform verhandelt, in Deutschland der synodale Weg angebahnt, und die Schweizer Bischofskonferenz lässt verlauten, ihr Wille den Weg zur Erneuerung der Kirche «gemeinsam mit allen Gläubigen der Schweiz zu gehen» sei ungebrochen. Als ob es irgendeinen Sinn machte, diesen Weg ohne die Gläubigen zu gehen.

Mir kommt es vor, als würden wir seit Jahrzehnten eine Expedition vorbereiten, diese aber nie antreten. Als würden wir ganz aufgeregt knapp hinter der Startlinie stehen und uns gegenseitig zuraunen: «Wenn du los sprintest, dann sprinte ich mit.»

Wenn Rom voranginge, würden die Bischöfe getreulich mitgehen. – Wenn die Bischöfe sich einig wären, würde Rom das dankbar aufnehmen. – Wenn wir den Erfolg der Expedition garantieren könnten, würden wir sie voller Entdeckerfreude antreten. – Und wenn es keinen Mut mehr bräuchte, dann wäre ich der Mutigste von allen.

Was würde geschehen, wenn wir unsere Ziele ganz tief hängen würden, so tief, dass niemand mehr eine Ausrede hat, sich nicht in Bewegung zu setzen? Weshalb machen wir uns nicht endlich einfach auf den Weg? Auf einen Weg ins Ungewisse. Auf vierzig Jahre Irrweg durch die Wüste. 

Dafür wäre etwas physiotheologische Unterstützung sicher hilfreich, damit sich unsere Verkrampfungen und Verhärtungen lösen können und wir unsere Beweglichkeit verbessern. Vor allem aber brauchen wir viel, viel Zeit an der frischen Luft.

Text: Thomas Binotto