Editorial

Ökologisch gedacht ...

Die Fastenzeit ist auch eine traditionsreiche Demo für den Klimaschutz.

Wer saisonal und regional einkauft, wer weniger oder gar kein Fleisch isst, wer Verpackungsmüll vermeidet, der schützt damit das Klima. Die Fastenzeit ist so betrachtet eine uralte Aktion für den Umweltschutz. Den fleischlosen Freitag gab’s lange, lange vor «Fridays for Future».

Fasten ist aber auch als Grundhaltung von erstaunlicher Aktualität. Es geht nämlich darum, freiwillig zu verzichten, und zwar auf Dinge, die man sich leisten kann und die man mag. Es geht um den freiwilligen Verzicht auf Genuss.

Einer meiner Neffen hat mal vorgeschlagen, in der Fastenzeit auf Salat zu verzichten. Er war damals noch ein Kind, aber wir tun es ihm selbst als Erwachsene allzu oft nach. Wir suchen nach Verzichtsmöglichkeiten, die nicht wirklich Verzicht bedeuten. Wir warten darauf, dass Gesetze den Verzicht regeln. Oder wir hoffen ganz einfach, dass unsere Welt die Kurve irgendwie auch ohne drastische Verzichtsmassnahmen kriegen wird. Wir können nicht begreifen, dass Verzicht eine Vorleistung ist, um sich den Genuss zu bewahren.

Fasten – und übrigens auch das Tischgebet – sind Haltungen der Dankbarkeit und der Sorgfalt gegenüber dem Klima, gegenüber der Umwelt, oder sagen wir es doch schlicht und einfach biblisch: Fasten geschieht aus Liebe zur Schöpfung.

Text: Thomas Binotto