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Eine «Stunde der Wahrheit»

Wie organisiert sich die Kirche in Zeiten des Umbruchs? Antworten auf diese Frage suchen Behörden, Seelsorgende und Pfarreimitarbeitende am 31. März
an der Veranstaltung «Zukunft Katholisch Stadt Zürich 2030».

Pfarrer Marcel von Holzen, als Dekan Zürich-Stadt laden Sie zusammen mit Daniel Meier, Präsident Katholisch Stadt Zürich, zu einer Art katholischem Stadtzürcher «Kirchengipfel». Aus welchem Anlass?
Marcel von Holzen: Die Zukunftsprognosen für die katholische Kirche in der Stadt fordern uns heraus. Die Zahl der Mitglieder schwindet genauso wie die gesellschaftliche Akzeptanz – das hat Fol-gen, nicht nur finanziell, sondern auch für die Pastoral. Mit der Steuervorlage 17 sind von den juristischen Personen künftig massiv weniger Einnahmen zu erwarten. Wir werden den Gürtel enger schnallen müssen.
Auf Initiative von Stadtverband und Dekanat Zürich-Stadt wurden Arbeitsgruppen zu den Themen «Behörden», «Pastoral», «Finanzen» und «Liegenschaften» gebildet, die in den letzten Monaten erste Analysen vornahmen. In Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut (SPI) entstand daraus ein Bericht. Dieser wird am 31. März vorgestellt – er soll als Ausgangspunkt einer gemeinsamen Diskussion dienen.

Die Probleme, die Sie geschildert haben, betreffen den ganzen Kanton. Fährt die Stadt Zürich einen «Sonderzug»?
Stadt und Land sind ein Stück weit Gegensätze, daher gestaltet sich auch das kirchliche Leben unterschiedlich. Die besondere Herausforderung besteht darin, die 23 Stadtpfarreien, aber auch die Missionen und alle anderen kirch-lichen Gruppen so zu unterstützen, dass sie sich in den multikulturellen und stetig wandelnden Milieus der Stadt behaupten können. Gleichzeitig experimentiert Katholisch Stadt Zürich mit alternativen Kirchenformen, z. B. «Kirche urban», um auch kirchenferne Menschen zu erreichen. Solche Aufbrüche wären ohne einen von allen städtischen Kirchgemeinden getragenen Dachverband kaum zu realisieren. Die Steuervorlage 2017 dürfte die Stadt zudem stärker treffen als den Rest des Kantons. 

Ist das Projekt «Zukunft Katholisch Stadt Zürich 2030» einfach eine weitere Initiative, wie wir sie heute in der Kirche verschiedentlich sehen?
Keineswegs. Der Prozess, welcher nun angeregt wird, knüpft an Projekte an, wie sie seit den 90er-Jahren bereits lanciert wurden: die Pastoralpläne, die Werkstätten «Zukunft» und die Studie «Pastorale Angebote im urbanen Raum». Einiges daraus ist in die Initiative des Stadtverbandes eingeflossen. Klar ist: Veränderungen werden an der Pastoral nicht spurlos vorübergehen. Auch wenn das Geld in der Pastoral nicht im Vordergrund steht, braucht es die Finanzen doch, um pastorale Projekte zu verwirklichen.

Wie ist der Austausch mit Synodalrat und Generalvikariat …
In der Vergangenheit kam der Austausch zu kurz. Das hing damit zusammen, dass diese Initiative nicht von der Kirchenleitung angestossen wurde, sondern von der «weltlichen» Seite. Die anfängliche Einseitigkeit wurde aber zwischenzeitlich behoben; General-vikar Josef Annen und Rudolf Vögele als Leiter des Ressorts Pastoral werden im weiteren Verlauf massgeblich mitbestimmen können, wie die Kirche der Zukunft aussehen wird.

… und mit dem Bistum Chur?
Da findet kein direkter Austausch statt. Das Bistum wird jedoch durch den Generalvikar in Zürich vertreten, der umgekehrt die Anliegen von «Zukunft Katholisch Stadt Zürich 2030» dem Churer Bischofsrat präsentieren kann.

Was erhoffen Sie sich von der Veranstaltung am 31. März?
Das Treffen soll zur Stunde der Wahrheit werden: Wir müssen mit einer pastoralen Vision an die Erneuerung unserer Kirche gehen, um auch unter veränderten Bedingungen das Engagement von Katholisch Zürich gut gestalten zu können. Wir sind überzeugt, dass eine Zukunft mit knapperen Mitteln nicht nur Verlust bedeuten muss, sondern auch Chancen bietet, das Kirche-Sein neu zu erfinden.

Text: Pia Stadler