Editorial

Geduldsweltmeister

Noch eine Hürde, die der Paulus Akademie in den Weg gestellt wird: Die Einweihungsfeierlichkeiten müssen wegen des Coronavirus verschoben werden.

Die gute Nachricht bleibt trotzdem: Zehn Jahre nachdem die Synode den Neubau beschlossen hat, ist die Akademie endlich an der Pfingstweidstrasse 28 angekommen. Die Arbeitsplätze sind eingerichtet. Der Tagungsbetrieb ist angelaufen.

Seit 15 Jahren ist Hans-Peter von Däniken nun Direktor der Paulus Akademie. Ich kann mich kaum an ein Gespräch zwischen uns erinnern, bei dem die Standortfrage nicht Thema gewesen wäre. Zunächst scheiterten Projekte in Winterthur und Zürich bereits in der Planungsphase. Und als an der Pfingstweidstrasse endlich gebaut werden konnte, sorgten Rechtsstreitigkeiten für schmerzhafte Verzögerungen. Selbst ein «Abbruch der Übung» war zeitweise zu befürchten.

Ich habe Hans-Peter von Däniken für seine scheinbar unendliche Ausdauer bewundert. Natürlich war spürbar, dass auch seine Leidensfähigkeit bis an ihre Grenze strapaziert wurde. Dennoch hat er immer Ruhe und Zuversicht ausgestrahlt.

Zudem hat er nie zugelassen, dass die Standortfrage zur alles lähmenden Dominante wurde. Die Paulus Akademie blieb allen Widrigkeiten zum Trotz das, was sie sein soll: Ein Ort der gesellschaftlichen Debatte. Das Programm überstrahlte alle Ungewissheiten.

Nun heisst es also ein weiteres Mal: Warten und improvisieren. Wenn jemand dafür fit ist, dann die Paulus Akademie. Das Trainingsprogramm dafür hätte ich ihr anders gewünscht. Die Fitness jedoch, mit der sie unterwegs ist, die wird gerade im modernen städtischen Raum viel wert sein.

Ich bin Hans-Peter von Däniken und dem gesamten Akademie-Team dankbar, dass sie in diesem Ultramarathon nie aufgegeben haben. Und ich wünsche ihnen, dass das aufgeschobene Fest schliesslich umso rauschender stattfinden wird.

Text: Thomas Binotto