Schwerpunkt

Was verbindet Sie mit der Paulus Akademie?

Drei regelmässige Besucherinnen und ein regelmässiger Besucher der Paulus Akademie erklären, was ihnen die Paulus Akademie bedeutet, und was sie vom neuen Standort erhoffen.

«Wenn wir uns als Wesen begreifen, die in einer Gesellschaft leben, und uns zutrauen wollen, diese gemeinsam zu gestalten, bedingt das, dass wir uns mit einer Vielfalt von Perspektiven und Meinungen auseinandersetzen müssen und miteinander in einen Austausch treten, der nicht durch Echokammern verunmöglicht wird.

Die Paulus Akademie ist ein Raum für einen solchen Austausch. Sie ist ein Ort der offenen Diskussionen, Streitgespräche und Auseinandersetzungen, die auf Augenhöhe geschehen können. Gleichzeitig wird im Sprechen, Räsonieren und Diskutieren während der Veranstaltungen der Zuschauerin Raum zur eigenen Reflexion und Meinungsbildung gelassen, ohne dass ihr vorgefertigte Positionen zur Übernahme vorgelegt werden. Die Akademie ist Teil einer öffentlichen, kritischen Diskussionskultur, die eine freie Gesellschaft ausmacht.

Was erwarten Sie vom neuen Standort?
Vom neuen Standort erwarte ich, dass er es der Paulus Akademie erlaubt, ihre Arbeit weiterhin so zu tun wie bisher.»

Angebot laufend

Madeleine Mäder (31) ist Historikerin und Anglistin. Sie wohnt in Bern und besucht ein paar Mal pro Jahr Veranstaltungen der Paulus Akademie, hauptsächlich in den Bereichen Religion, Theologie und Philosophie sowie Soziales, Politik und Kultur.

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«Die Paulus Akademie begleitet mich, seit sie besteht. Mein Klosterleben (ab 1964) und Theologiestudium fallen mit den ersten Jahren der Akademie zusammen. Besonders in den Jahren 1971–1976, als P. Magnus Löhrer die Akademie leitete, nahm ich oft an Veranstaltungen teil, die damals zweitägig mit Übernachtung im Akademiegebäude in Witikon durchgeführt wurden. Ich schätzte die Weite der Themen und empfand diese Veranstaltungen als wertvolle Ergänzung zu meiner 1973 begonnenen Lehrtätigkeit als Griechisch- und Lateinlehrer an unserem Gymnasium in Einsiedeln.

Was erwarten Sie vom neuen Standort?
Die Stadt ist für die Theologie zu einem «locus theologicus» geworden. In den Städten sind Politik und Kultur, Wirtschaft und Arbeit, die Gesellschaft der Gesunden, Behinderten und Kranken, die Medizin und die Suche nach Lebenssinn in dichter Weise angesiedelt. Mitten in diesen Lebensbereichen lebt und arbeitet die Paulus Akademie.»

Angebot laufend

Pater Alois Kurmann(77) interessieren hauptsächlich Veranstaltungen der Studienbereiche «Religion, Theologie und Philosophie» sowie «Wirtschaft und Arbeit». Pater Kurmann ist Mitglied des Programmausschusses.

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«Die Paulus Akademie ist die einzige informative, gesellschafts- und religionspolitische Plattformauf dem Platz Zürich, die ich kenne. Mit ihrem Netzwerk gewährleistet die Planungscrew die Offenheit auch und vor allem für spirituelle Themen und interreligiöse Breite. Warum interessieren mich die Angebote der Paulus Akademie? Sie will mich nicht bekehren und scheut sich nicht, den Finger auf Brennpunkte des gesellschaftlichen Diskurses zu legen. Unsere Demokratie lebt von der Beteiligung und Mitwirkung der Zivilgesellschaft, als Politikerin ist mir das sehr wichtig.

Was erwarten Sie vom neuen Standort?
Das neue Zentrum könnte noch viel stärker ein lebendiges Forum werden für eine wache und neugierige Gesellschaft, die mit einer vorbildlichen Kultur des Diskurses die Debatten beleben kann. Die Akademie von morgen fördert die Sinnsuche des Individuums in einer sich schnell ändernden Welt, aber auch die Identität einer Religionsgemeinschaft mit christlichen Wurzeln in einer säkularisierten Schweiz.»

Angebot laufend

Maja Ingold (71), Politikerin und ehemalige Nationalrätin, bezeichnet sich selbst als «Gelegenheitsnutzerin» für die Angebote von Referaten mit Podien. Sie schätzt auch Reisen (Moskau/St. Petersburg), die stets vertiefte Einblicke erlauben zu Fragen von Religion, Wirtschaft, Gesellschaft, Geschichte mit hochkarätigen Experten vor Ort.

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«Schwungvoll die Witikonerstrasse hinuntersausen, scharf die Kurve in der Schliifi schneiden und im Flug vor der Haustür landen: Beflügelt von Anregungen und Diskussionen an der Paulus Akademie und mit gestärktem Selbstbewusstsein und roten Backen genoss ich während Jahrzehnten die Fahrt per Velo vom Hügel hinab in die Niederungen der Stadt.
Wir schickten die Sanftmut zum Teufel und verkündeten das Ende der Friedfertigkeit der Frau. Wir zweifelten, ob die Literatur die Welt zu verändern vermöge, und fühlten uns gleichzeitig durch die Kraft literarischer Texte gestärkt. Wir beleuchteten die «Deutschwerdung» der Ossis, diskutierten die Herausforderungen der Pax Americana, hinterfragten die Kriegsberichterstattung und ebenso die Wahrnehmung des Islams in der Schweiz. Was wäre ich heute ohne die geistige Nahrung, die ich an der Paulus Akademie empfing?

Was erwarten Sie vom neuen Standort?
Mit ein bisschen Wehmut denke ich an den freundlichen Ort auf dem Hügel zurück, freue mich aber auch auf die neue Stätte, die mir nun wenigstens in einem Punkt viel mehr entspricht: Die Strecke dahin ist altersgerecht flach.»

Angebot laufend

Dorothee Schmid (72) ist seit fast vier Jahrzehnten Gast und Mitwirkende an der Paulus Akademie.

Text: Thomas Binotto