Bistum Chur

Entsetzen macht sich breit

Die Bestürzung und der Protest über die Absetzung Martin Kopps macht sich im ganzen Bistum Chur breit und reisst nicht ab.

Es war längst kein Geheimnis mehr, dass sowohl Josef Annen wie Martin Kopp nur darauf warteten, ihre Ämter als Generalvikare abzugeben. Aus Verbundenheit mit dem Bistum und auf Bitte des Apostolischen Administrators Peter Bürcher hatten sie sich bereit erklärt, ihre Aufgaben weiter wahrzunehmen.

Dass nun Martin Kopp im Alter von 74 Jahren und nach jahrzehntelangem unermüdlichem Einsatz für das Bistum auf so schäbige Weise abgesetzt wurde, löst Bestürzung aus.

In einem offenen Brief an Peter Bürcher schreibt Daniel Krieg, Dekan des Dekanats Uri: «Es ist der Zeitpunkt, der uns überrascht; es ist der Grund, der uns weitgehend unverständlich ist; es ist die Art und Weise, die uns befremdet.»

Die Mitglieder der Biberbrugger Konferenz, Zusammenschluss aller Kantonalkirchen im Bistum Chur, erklären: «Wir fragen uns, ob sich der Apostolische Administrator Bischof Peter Bürcher bewusst ist, welchen Schaden er mit diesem Entscheid der Kirche und dem Bistum zugefügt hat. Statt für Ausgleich zu sorgen, werden neue Gräben aufgeworfen.»

Dekanassistent Uwe Burrichter, Diakon und Pfarreibeauftragter in der Pfarrei St. Franziskus in Zürich, hat nach Absprache in der Dekanatsleitung Zürich-Stadt den direkten Weg gesucht. Am Tag nach der Bekanntgabe der Absetzung ist er beim Apostolischen Administrator Peter Bürcher und dessen Generalvikar Martin Grichting vorstellig geworden.

Obwohl ihm der apostolische Administrator aufmerksam begegnet sei, geht Burrichter nicht davon aus, dass Bischof Bürcher auf seinen Entscheid zurückkommen werde: «Ich habe nicht den Eindruck, dass der Bischof fremdgesteuert ist, wie ihm das von verschiedener Seite unterstellt wird. Dieser Entscheid war sein Entscheid. Aus seiner Sicht tut er ganz einfach das, was sein Amt und der ‹Apostolische Stuhl› von ihm erwarten. Deshalb können auch Protestaktionen Bürcher nicht zum Umdenken bewegen.»

Obwohl auch sie nicht daran glaubt, dass der Entscheid revidiert wird, hat die Theologin Veronika Jehle eine Online-Petition gestartet, die bislang 2 781 Menschen (Stand: 26. März 2020) unterzeichnet haben. In den über tausend Kommentaren kommt viel Frustration zum Ausdruck.

Auch der Obwaldner Dekan Bernhard Willi ist zutiefst enttäuscht. In der «Obwaldner Zeitung» sagt er: «Die Art und Weise wie Martin Kopp nun abgesetzt, abserviert, abgestraft worden ist, wirkt höchst befremdend und macht mich traurig, aber auch wütend.»

Reto Müller, langjähriger Pfarrer in Zürich und Schwyz, geht noch weiter: «Ich habe die Bischöfe Wolfgang Haas und Vitus Huonder ertragen. Einen dritten Bischof desselben Schlags, Peter Bürcher, überlebe ich nicht. Mir sind die Energie und die Freude ausgetrieben worden.»

Ende September hatte Peter Bürcher in einem Gespräch mit dem forum noch versichert: «Das Wichtigste ist eine friedliche Übergangszeit.» Und auf die Frage, weshalb er Martin Kopp und Josef Annen als Delegierte im Amt lasse, antwortete er: «Auch da will ich dem neuen Bischof die totale Entscheidungsfreiheit lassen. Das Ordinariat in Chur ist auch ein gut eingespieltes Team. Ich bin allen dafür dankbar. Für eine so kurze Amtszeit wollte ich nicht alles ändern.»

Von Zurückhaltung des apostolischen Administrators ist ein halbes Jahr später nichts mehr zu spüren. Und um die friedliche Übergangszeit ist es nun auch geschehen.

Text: Thomas Binotto