Im Züripiet dihei

«Es wird legendär»

So cool wie das grosse Zürcher Kantonslager 2015 (Bild) sollte am 1. Mai auch «Jubla Trubla» werden. Doch der Grossanlass von Jungwacht Blauring fällt der Corona-Pandemie zum Opfer. Wie gehen die OK-Mitglieder damit um?

Seit über zwei Jahren haben 31 junge Erwachsene fast ihre gesamte Freizeit in die Organisation dieses Anlasses gesteckt. 31 begeisterte aktive oder ehemalige Jubla-Leiterinnen und -Leiter aus dem Kanton Zürich. 31 hoch engagierte Menschen haben sich in die Ressorts OK-Leitung, Finanzen, Animation, Kommunikation, Infrastruktur, Logistik und Gastronomie reingekniet. 31 Jubla-Enthusiasten freuen sich auf den 1. Mai, wenn es mit «Jubla Trubla» losgeht. Rund 100 zusätzliche freiwillige Helfer stehen bereits in den Startlöchern.

Aber es kommt alles anders. Nun sitzen 10 OK-Mitglieder im Sitzungszimmer der Arbeitsstelle Jubla Zürich – kurz bevor auch solche Sitzungen untersagt wurden. Am Eingang Desinfektionsmittel, an den Tischen zeigen gelbe Post-it-Zettel an, wo man sich hinsetzen soll, damit die Abstände gewahrt bleiben. Weitere 13 OK-Mitglieder sind via Skype verbunden. Andere konnten sich nicht so kurzfristig freimachen: Zwei Lehrerinnen arbeiten bis in alle Nacht hinein, um den Fernunterricht aufzugleisen. Eine Fachfrau Gesundheit ist im Pflegeheim im Einsatz.

An der Corona-Krisensitzung wird besprochen, was die Absage nun bedeutet. Alles abblasen? Verschieben? Statt drei, nur einen Tag durchführen? Mit welchen Folgen – finanziell und personell? Es geht hier um ein Budget von über 120 000 Franken – ganz zu schweigen von tausenden Stunden ehrenamtlicher Arbeit. Wichtige Sponsoren sind die Katholische Kirche im Kanton Zürich und Katholisch Stadt Zürich.

Die Gesichter sind ernst, das Gespräch weniger lebhaft als üblich. Die beiden OK-Leitenden Corina und Moritz führen gut vorbereitet durch den Abend. Einen ganzen Tag sind sie bereits zusammengesessen, um alle Varianten durchzudenken und durchzurechnen.

Doch bevor die jungen Menschen vorausschauen, verarbeiten sie die Absage. Jede und jeder schreibt auf seinen Post-it-Zettel, was daran besonders schmerzt. Dann werden die Zettel energisch zerrissen. Moritz sammelt sie in einem Kübel. Jemand sagt: «Die zerrissenen Fötzel sind nun unsere Konfetti für den nächsten Jubla-Trubla-Anlass!»

Schnell wird klar: «Wir verschieben!» Am besten auf das nächste Jahr, da ist die Chance am grössten, dass die Pandemie vorbei ist. Die Gemeinde Andelfingen, auf deren Boden der Anlass stattgefunden hätte, bedauert die Absage ebenfalls sehr und möchte ihr Möglichstes tun, eine Verschiebung zu unterstützen. Erschwerend ist allerdings, dass auf dem Gelände ab Mai ein neuer Sportplatz gebaut wird. Ist dieser bis in einem Jahr fertig? Könnte man auch rund um die Baustelle das Fest steigen lassen? Signale, dass das gehen könnte, sind schon da, aber sie müssen noch geprüft werden.

Dann steht die Frage im Raum: Seid ihr wieder dabei? «Es bedeutet nochmals über ein halbes Jahr Planungsarbeit – und nach der Corona-Pause wieder voll im Einsatz stehen», erklärt Corina. «Wir verstehen absolut, wenn das für euch nicht möglich ist. Wir zwei von der OK-Leitung haben aber beschlossen, dass wir das durchziehen werden und euch voll unterstützen, wenn ihr auch mitmacht.» Das Echo ist genauso klar: «Wir sind dabei. Das einzige Schlimme wäre, wenn der Anlass abgesagt und überhaupt nie durchgeführt würde!» Klar – der eine oder die andere ist vielleicht nächstes Jahr aus beruflichen oder familiären Gründen nicht mehr abkömmlich. Aber dafür lassen sich Lösungen oder auch das eine oder andere neue OK-Mitglied finden.

Drei Tage, über 800 Kinder, 68 Workshops, ein riesiges Zelt – der erste kantonale Grossanlass von Jungwacht Blauring «Jubla Trubla» wollte Lebensfreude pur verbreiten.

Drei Tage, über 800 Kinder, 68 Workshops, ein riesiges Zelt – der erste kantonale Grossanlass von Jungwacht Blauring «Jubla Trubla» wollte Lebensfreude pur verbreiten. Foto: zvg

Doch das Jubla-Trubla-OK musste absagen. So bleibt das Gelände in Andelfingen leer.

Doch das Jubla-Trubla-OK musste absagen. So bleibt das Gelände in Andelfingen leer. Foto: zvg

Das OK-Team ist sich einig: «Das einzige Schlimme wäre, wenn Jubla  Trubla überhaupt nie durchgeführt würde!»

Das OK-Team ist sich einig: «Das einzige Schlimme wäre, wenn Jubla Trubla überhaupt nie durchgeführt würde!» Foto: zvg

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Und so geht es bereits wieder ans Planen. Moritz ist zuversichtlich: «Wir haben einen pfannenfertigen Anlass, den kochen wir einfach wieder auf.» Allerdings: Alle T-Shirts für die Kinder, Helfer und das OK sind bereits bestellt und mit dem nun falschen Datum bedruckt, ebenso alle anderen Gadgets. «Macht gar nichts», findet Nadine. «Das falsche Jahr auf jedem Teil – das wird legendär!» Alle lachen. Silvan über Skype fügt hinzu: «Von Seiten Infrastruktur haben wir zum Glück noch fast nichts bezahlt. Wir können gut umplanen.» Sämi und Röbi rufen von den hinteren Tischen aus: «Und du kannst auch nächstes Jahr auf uns zählen!»

Die Kommunikation der Absage mit dem Hinweis auf die geplante Verschiebung an die wichtigsten Partner übernimmt die OK-Leitung. Sie wird es morgen tun. Nun wird eine lange Liste durchgegangen. Je nach Ressort übernehmen die OK-Mitglieder die Kommunikation für ihre Leute. Eine Mail-Vorlage liegt bereits auf der allen zugänglichen Plattform bereit. Man hofft, dass die Sponsoren ihre Beiträge – teilweise schon einbezahlt – aufs nächste Jahr übertragen. Ob das grosse Zirkuszelt auch nächstes Jahr zu haben sein wird? Viele Themen warten nun auf Abklärung. «Kein Problem», meint Marina, «wir haben jetzt alle viel Zeit, da alle Hobbys abgesagt sind.»

Zum Abschluss der Sitzung wird’s doch noch laut. Der Jubla-Trubla-Song füllt den Raum, das gerade frisch gedrehte Demo-Video läuft über den Bildschirm. «Keis Ziel isch z wiit, kei Hürde zgross – wemmer will, denn eifach los», singt Nicole. Es ist, als wäre der Song für diesen Moment gemacht worden. Positive Energie füllt den Raum. Augen beginnen wieder zu leuchten, die jungen Leute nicken und klatschen im Takt, ein Lächeln im Gesicht. «Nun haben die Kids ein ganzes Jahr lang Zeit zum Üben!», schmunzelt die Sängerin anschliessend via Skype. «Der Song wird eine Hymne werden!»

Moritz will die Sitzung schliessen, da sagt Jasmin: «Mega cool, dass auch ihr, die OK-Leitung, voll dahintersteht. Das verdient ein Zigi Zagi!» Und es dröhnt durch den Raum: «Zigi Zagi, Zigi Zagi hoi hoi hoi! B-R-A-V-O, Bravo!»

Text: Beatrix Ledergerber