Im Züripiet dihei

Kräfte freisetzen

Das Corona-Virus hat das Pfarreileben einschneidend verändert. Nachgefragt bei Barbara Ulsamer, Pfarreibeauftragte in der Pfarrei St. Stephan, Männedorf-Uetikon.

forum: Barbara Ulsamer, wie geht es Ihnen?
Barbara Ulsamer: Meinem Mann und mir, die wir St. Stephan gemeinsam leiten, geht es gut. Unsere Pfarrei ist bestens aufgestellt, alle vom Pfarreiteam ziehen am gleichen Strick. Neue Angebote laufen ausgezeichnet an. Wir sind zuversichtlich, die Corona-Krise gut bewältigen zu können.

Wie haben Sie diese schwierige Zeit bis jetzt erlebt?
Sehr unberechenbar. Da waren gewisse Veranstaltungen bereits abgesagt, andere sollten noch stattfinden. Und im letzten Moment mussten wir auf Anweisung des Bundesrates doch umdisponieren. Aber es war – beziehungsweise ist – nicht nur eine schlechte Zeit: Alle wollen helfen, haben Ideen und sind bereit, sich mit ihren Fähigkeiten einzubringen.

Inzwischen steht das reguläre Pfarreileben weitgehend still. Wie reagieren die Pfarreiangehörigen?
Alle zeigen grosses Verständnis für die Massnahmen – und sie wissen um deren Notwendigkeit. Obwohl es für einige bereits schwierig war, Gottesdienste mit Abstand und Händedesinfektionsmittel zu feiern. Das Gemeinschaftsgefühl entstand nicht im gleichen Masse. Und natürlich bedauern jetzt in der Osterzeit gerade im Glauben tief verankerte Menschen, die Festtage nicht in der Gemeinschaft in ihrer Kirche feiern zu können.

Offensichtlich führt Corona aber auch zu Kreativität. Sie haben neue Angebote erwähnt …
Auf jeden Sonntag hin stellen wir auf unsere Homepage ein «Wort zur Woche», gesprochen und gestaltet von Seelsorgeteam und Mitarbeitenden, und ein «Lied zur Woche», gestaltet von unserem Vikar und Liedermacher Alexander Bayer.
Weil auf physische Kontakte verzichtet werden soll, stehen unsere Seelsorgenden während der Woche alternierend vormittags am Telefon zur Verfügung. Alle, die Rat oder Hilfe suchen oder auch einfach jemanden zum Zuhören oder Reden brauchen, können anrufen. Über das Notfalltelefon ist ausserhalb dieser Zeiten rund um die Uhr jemand erreichbar.
Die Kirche St. Stephan in Männedorf und die Franziskus-Kirche in Uetikon sind täglich als Ort des Gebets offen. Es wird leise Musik abgespielt. Die Osterkerze brennt als Zeichen der Solidarität mit allen, die vom Virus betroffen sind.
Jeden Sonntag ist das Allerheiligste ausgesetzt und lädt zur Andacht ein.
Es liegen Gebetstexte und Fürbittbücher auf.
Für Risikogruppen – Menschen ab 65 Jahren und Menschen mit Vorerkrankungen – bietet die Pfarrei Einkaufshilfe und Botengänge an.
Und natürlich machen wir mit an der Aktion erleuchtete Fenster als Zeichen der Hoffnung – wir laden die Menschen ein, jeden Abend um 20.00 Uhr auf dem Fenstersims eine Kerze anzuzünden und zu beten.

Wie werden die Angebote genutzt?
Sie werden sehr gut nachgefragt. Viele Pfarreimitglieder sind dankbar, dass sie in Zeiten von «Social Distancing» vom sozialen Miteinander in St. Stephan getragen werden.

Bald ist Ostern – was machen Sie in der Pfarrei?
Im kleinen Seelsorgenden-Kreis werden wir Palmzweige segnen und in den Kirchen zum Mitnehmen auslegen. Dazu bieten wir Heimosterkerzen zum Verkauf an. Am Karfreitag werden die Kreuze zur Verehrung aufgestellt.
Für Palmsonntag, Karfreitag und Ostersonntag werden wir ein spezielles «Wort» und ein «Lied» einspielen, die neben Musik und Impulstext die entsprechenden Rituale zeigen.

Was legen Sie allen Gläubigen für die Festtage ans Herz?
Feiern Sie auch zu Hause das Osterfest bewusst. Holen Sie Palmzweige, zünden Sie eine Kerze an, schauen Sie sich einen Gottesdienst an oder lesen Sie in der Bibel.

Ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen gelingt, die befreiende Osterbotschaft vom Sieg des Lebens über den Tod auch in diesem Jahr für sich erfahrbar zu machen.

Text: Pia Stadler