Glauben heute

Ostern findet statt

Wie um alles in der Welt werden wir dieses Jahr Ostern feiern können? – Botschaften von Generalvikar Josef Annen und Synodalratspräsidentin Franziska Driessen.

Die erste Osterpredigt

Das Fernsehen liefert uns in diesen Tagen und Wochen Bilder ins Haus, die wir nicht mehr vergessen werden. Ärztinnen und Ärzte, Pfleger und Pflegerinnen eilen durch lange Spitalkorridore. Sie laufen fürs Leben und gegen den Tod. Unter der Gefährdung ihrer eigenen Gesundheit stehen sie den vom Corona-Virus Erkrankten bei und freuen sich über eine jede und einen jeden, der gesund wird. Gleichzeitig sehen sie bei den Sterbenden dem Tod ins Auge.

Diese Menschen, die in unseren Spitälern Grosses leisten, haben Jesus als ihren Verbündeten. Auch er hat sich für das Leben starkgemacht und gegen den Tod gestemmt. Er heilt Kranke und macht Blinde sehend. Lahme kommen wieder auf eigene Füsse und Tote erwachen zum Leben. Jesus öffnet uns die Augen  für ein  Leben, das stärker ist als der Tod. Zur Frau am Jakobsbrunnen sagt er: «Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fliesst.» Lazarus im Grab ruft er zu: «Komm heraus!» Und zu Marta, der Schwester von Lazarus, sagt er: «Ich bin die Auferstehung und das Leben.»

Das hat Maria von Magdala am Ostermorgen als Erste erfahren. Braucht es dafür ein besonderes Gespür für das Leben? Als Erste erkennt Maria Magdalena, dass das Leben stärker ist als der Tod. Schnell geht sie zu den Jüngern, hält die erste Osterpredigt und verkündet: «Ich habe den Herrn gesehen.»

Halten wir als österliche Menschen Ausschau nach dem Auferstandenen. Er ist an der Seite aller, die sich in diesen Tagen und Wochen für das Leben einsetzen. Er lässt uns an der Endlichkeit nicht verzweifeln, sondern hinter dem Tod das Leben sehen.

Josef Annen, Delegierter des Apostolischen Administrators für die Bistumsregion Zürich/Glarus


 

Kreativität spriessen lassen

Wie um alles in der Welt werden wir dieses Jahr Ostern feiern können? Wann werden wir Ostern feiern dürfen, ja wann überhaupt wieder irgendetwas feiern? Die Vorbereitung aufs Osterfest fällt uns allen ganz schön schwer. Und macht uns ratlos. Ich suche nach Halt in einer Situation, die ich nur bedingt kontrollieren kann, ja in der ich die Kontrolle zu verlieren drohe. Ich merke, dass es uns allen gleich geht. Auch das kann uns trösten, ja vielleicht Halt geben.

Draussen spriesst der Frühling in seiner vollsten Pracht und scheint noch nichts gemerkt zu haben. Das gefällt mir. Das tut gut.

Schön, wenn wir alle in diesen Tagen in der Gemeinschaft einen ganz neuen Platz finden: Wenn wir uns lösen vom Nachdenken darüber, was wir jetzt für uns am besten tun können, damit es uns selbst besser geht. Neu überlegen wir uns, was jeder Einzelne für andere tun kann, damit es uns allen besser geht. Auch den, der in kurzer Panik hamstert, will ich nicht verurteilen. Viel eher lege ich in Gedanken meinen Arm um diese Person und versuche, ihr so die Angst zu nehmen und die nötige Kraft zu schenken.

Wenn heute doch schon morgen wär, denk ich mir. Ich fühle mich versetzt. Alles ist surreal. Stehen wir deshalb jetzt alle zusammen. Bis der Sturm sich legt – und darüber hinaus. Lassen wir die Kreativität fürs Gute spriessen, damit auch in unseren Seelen Frühling werde. So finden wir Trost und werden zum Trost für andere. Dann feiern wir Ostern, Auferstehung, das Fest des Lebens.

Franziska Driessen-RedingSynodalratspräsidentin