Editorial

Ostern wird es dieses Jahr im Spital

Klar, Ostern findet statt, auch dieses Jahr, und zwar in unseren Herzen.

Wenn es aber jetzt einen Ort gibt, an dem es Ostern wird, dann in den Spitälern. Die Gefahr der Pandemie bündelt sich an diesen Orten: Wer fürchtet, sich infiziert zu haben, geht hin zum Test, wer ernsthafte Beschwerden bekommt, hofft dort auf Hilfe. Und wird sie auch bekommen. Gleichzeitig: Wir schauen nur über die Grenze, in unser Nachbarland: Alles scheint voll in den Spitälern, kaum Ressourcen, erschöpfte Menschen, und viele tote Menschen.

Wie wird es bei uns noch werden? Und wann werden wir sagen können: Karfreitag liegt hinter uns, der Höhepunkt der Pandemie-Welle – erschöpfte Ruhe des Karsamstags – und langsam, langsam, da dämmert der Ostermorgen – dürfen wir aufatmen, dürfen wir feiern, jubeln, uns freuen? Es gibt handfeste Erfahrungen aus den letzten Wochen, die mir Hoffnung machen. Hoffnung darauf, dass Ostern kommt, in den Spitälern und in unsererer aller Leben. Es sind das die Erfah-rungen alltäglicher Solidarität, die mich auf diese Hoffnung setzen lassen.

Unsere Solidarität miteinander, gerade auch im Spital. Zusammen helfen, zusammen arbeiten, flexibel und kreativ sein und es auch bleiben, sich gut vorbereiten, unkompliziert einander zuarbeiten, zum Wohl der Patientinnen und Patienten. Tatsächlich, die letzten Wochen im Spital waren besondere, zumindest im Kantonsspital Winterthur, wo ich als Seelsorgerin im Einsatz bin. Nicht, dass es sonst nicht auch rundläuft. Aber die Leistung der vergangenen Wochen, das hohe Engagement aller (!) Berufsgruppen, umzubauen und sich vorzubereiten, das war und ist eine Erfahrung von Gemeinschaft über alle Berufsgruppen hinweg.

Die unsichtbare Bedrohung an Leib und Leben wird uns zusetzen, das Virus hat schon viel verändert und verändert auch uns selbst. Schmerzhaft, überfordernd, leidvoll, bis hin zu Verlust und zum Tod. Uns dem nicht zu stellen, dazu haben wir keine Wahl. Ostern werden wir erleben, wenn wir hindurchgehen. Gemeinsam. Verbunden. Solidarisch. Und dann ist es plötzlich Ostern. In den Spitälern. Und überall. Wir werden so was von feiern! Ich freue mich.

Text: Veronika Jehle