Impuls zum Kirchenjahr: Ostern

Wenn die Resignation resigniert

Wer kennt das Gefühl der Resignation nicht, angesichts der Corona-Krise und ihrer Folgen?

Wegen der Einsamkeit etwa, die nun viele befällt, oder aufgrund von Verlustängsten um die Arbeit. Entmutigen lassen auch die vielen Kriege und Flüchtlingsströme auf dieser Welt und der Unwille, etwas gegen die Zerstörung der Schöpfung zu tun. Resignation herrscht auch bei vielen Gläubigen vor, die nicht das Gefühl bekommen, als Kirche würden wir aus unserer Berufung und Sendung heraus leben. Resignation bei Frauen, die keinen Platz finden können, und bei Priestern, die sich unter Generalverdacht sehen.

Wussten Sie, dass nur in der Römisch-katholischen Kirche offiziell resigniert werden darf? Während eine Bundespräsidentin Sommaruga den Rücktritt erklären müsste, resigniert bei uns ein Bischof, wenn er freiwillig auf sein Amt verzichtet. Er senkt – wörtlich – das (Feld-)Zeichen, gibt also seine Insignien zurück, die Zeichen seines Amtes, seiner Funktion.

In der Kirche ist die Resignation also vorgesehen. Schon der Hl. Paulus kannte die Resignation – ohne ganz zu verzweifeln. Im 2. Korintherbrief heisst es: «Wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht. Immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird.» (4,8b.10)

Paulus kann seine Ratlosigkeit nur aus dem Glauben heraus leben, dass Christus uns vom Tod zum Leben führt. Um im Bild zu bleiben: Er legt die eigenen Zeichen, das eigene Funktionieren ab, die sein übliches Verstehen und Denken ausmachen, und übernimmt die irrsinnige Logik des Kreuzes. Nicht dass der Paulus ein Masochist gewesen wäre. Bloss war er überzeugt: Ostern kann nur werden, wenn der Mensch seiner Resignation nicht davonläuft. Gleichzeitig muss der Mensch die Resignation überwinden, um das Vertrauen nicht zu ersticken, das Vertrauen in den Gott des Lebens. Ostern geschieht dort, wo die Kunst gelingt, die eigene Resignation zu akzeptieren, ohne an ihr zu verzweifeln – weil Jesus Christus uns zum Leben führt.

Text: Abt Urban Federer