Gleichnisse aktuell: der reiche Kornbauer

Vom bleibenden Ertrag meines Lebens

Bewundernswert, was sich eine Bekannte von mir alles aufgebaut hatte.

Sie war eine erfolgreiche, selbstständige Unternehmerin geworden. Tolles Haus, tolles Auto, tolle Ferien. Doch dann kam die Krebs-Diagnose. Plötzlich war alles anders. Ihr wurde klar, dass sie nichts davon mitnehmen kann. Viele Gedanken gingen ihr durch den Kopf: Ich hätte mehr bei meiner Familie sein sollen. Ich hätte mir mehr Ruhe gönnen sollen. Wo werde ich sein, wenn es so weit ist? Was kommt nach meinem Tod?

Dem Mann in unserer Bibelgeschichte geht es ähnlich. Er ist ein reicher Kornbauer und seine Ernte ist so gut, dass er nicht mehr weiss, wohin mit all seinem Getreide. Schliesslich beschliesst er, die alten Scheunen abzureissen und neue hinzustellen, damit alles Platz hat. «Dann», so sagt er sich, «bin ich auf viele Jahre versorgt und kann das Leben geniessen.» Doch es kommt anders. Noch in der Nacht wird er sterben. Was hat er nun von seinem grossen Erfolg? Gewinnmaximierung, Profitgier und Egoismus können zwar dazu führen, dass wir zu Lebzeiten ein materiell abgesichertes Leben führen. Aber macht uns das wirklich reich? Braucht die Seele denn nicht mehr als materiellen Besitz?

Jesus zeigt uns mit diesem Gleichnis deutlich auf, dass es mehr braucht. Er beendet die Lebensphilosophie, die sich auf das Diesseits konzentriert und die damals vor allem im jüdischen Glauben verbreitet war. Jesus fordert zu einem Perspektivenwechsel auf: Nicht das, was wir an Gütern anhäufen, ist die Währung Gottes, sondern der geistige Reichtum. Dieser ist das Eintrittsbillett in sein Reich. Reichtum an sich ist nichts Schlechtes, Jesus spricht uns das nicht ab. Vorsorge ist gut und notwendig, wenn wir dabei nicht den Blick auf das Wesentliche verlieren. Denn aller Besitz, alles Geld ist keine Garantie für ein glückliches Leben. Daher sollten wir uns immer wieder fragen: Was ist der bleibende Ertrag unseres Lebens?

Unser Ziel sollte sein, im Diesseits mit gutem Gewissen ein sinnvolles Leben zu führen und dabei auch Reichtümer für das Jenseits anzuhäufen. Die heutige Geschichte will uns zeigen: Lebe das Leben. Aber lebe es so, dass es in den Augen aller, und besonders in den Augen Gottes, ein verantwortungsvolles und nachhaltiges Leben ist.

Text: Esther Stampfer, Pastoralassistentin kath. Pfarrei St. Georg Küsnacht Erlenbach

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Aus alt wird aktuell

Das Gleichnis vom reichen Kornbauern ist 2000 Jahre alt. Eine klassische Erzählung also, für die es auch klassische, zeitlose Interpretationen gibt. Die Covid-19-Pandemie verleiht der scheinbar längst auserzählten und ausgedeuteten Geschichte unvermutet höchste Aktualität. Damit wird für jeden und jede von uns die Bibellektüre wieder ganz existenziell und ganz persönlich. Nun müssen wir selbst uns darüber klar werden, was dieses Gleichnis für uns bedeutet…