Denkanstoss

Herausforderung Vater sein

Eine grosse Herausforderung war es, Vater, Eltern zu werden.

Welchen Namen soll das Kind erhalten? Welche Zimmerfarbe ist die passendste? Welche «Must have»-Babyartikel sind wirklich nützlich? Eine noch grössere Herausforderung ist es jedoch, Vater zu sein. Ein von unserer Gesellschaft vorgegebenes Bild, was ein guter Vater, Partner und Mitarbeiter ist, war schon sehr präsent.

Als meine Frau noch Teilzeit, oft in Abend- und Wochenendschichten, arbeitete, übernahm ich zu diesen Zeiten die Kinderbetreuung. Die Zeit zu Hause, nur ich und die Kinder, nahm ich sehr bewusst wahr. Ich genoss es, öfter zu Hause zu sein, obwohl es eine organisatorische Herausforderung und der Druck von beiden Seiten (Familie und Beruf) gross war.

Um unsere Erfahrungen als Väter zu teilen und auch um andere Väter kennenzulernen, gründeten ich und ein weiterer Familienvater die Gruppe «Papis only» im Anhaltspunkt Neuhegi. Einmal im Monat – sobald die Corona-Beschränkungen wieder aufgehoben sind – treffen sich Väter und ihre Kinder mit anderen Papas bei einem abenteuerlichen Erlebnis in der Natur oder bei einem Kaffee im Quartiertreff. Unkompliziert und frei kann dort über Themen geredet und diskutiert werden. Ja, auch Themen, welche einmal nicht die Kinder betreffen. Ein Moment eben für «Papis only».

Schon seit sie klein sind, unternehme ich mit meinen zwei Kindern jeweils einmal pro Jahr und pro Kind alleine einen «Papi-Tag». Ich plane und organisiere einen wortwörtlich «einzigartigen» Ausflug. Zum Beispiel fiebern wir mit unserem Lieblings-Fussballclub im Stadion, oder besuchen eine spannende Schokoladenfabrik. An diesem Tag nehme ich mir bewusst Zeit für mein Kind. Zum Beispiel erzähle ich Geschichten aus meiner Kindheit oder höre einfach meinem Kind bewusst zu, wenn es über seine Träume, Wünsche und Ängste spricht. Eine unvergessliche Zeit, welche mir und meinem Kind niemand wegnehmen kann.

So viel Zeit wie möglich mit meinen Kindern zu verbringen, erachte ich als etwas Wertvolles in der «Vater-Kind»- Beziehung. In dieser Zeit ist es wichtig, dass sich Wurzeln bilden können, sodass sie, wenn sie grösser werden und «ausfliegen», immer wissen, wo jemand ist, der für sie da ist. Und wer weiss, vielleicht verbringe ich bis ins hohe Alter den «Papi-Tag» mit meinen Kindern. Die Herausforderung, auch dann noch einen «einzigartigen» Tag zusammen zu erleben, nehme ich auf jeden Fall an.

Text: Matthias Gamper, Familienvater, Kirchenpflege-Mitglied, IT-Fachmann