Im Züripiet dihei

Kinder bringen Leben in die Kirche

Während des Lockdowns fallen auch der pfarreiliche Religionsunterricht, die Jubla-Stunden und Ministranten-Anlässe aus. Mit viel Fantasie und Liebe wird das aber wettgemacht.

Der Brief einer 5.-Klässlerin, nennen wir sie Elena, an Daniela Scheidegger, Pfarreibeauftragte in St. Konrad, spricht für sich: «Hier zuhause langweilige ich mich sehr, aber mit den vielen bunten Ideen und fröhlichen Nachrichten aus der Pfarrei geht es mir schon besser. In dieser aussergewöhnlichen Zeit haben mich Ihre Tut-Kindermagazine mit den lustigen Witzen und Bastelideen zum Lachen gebracht. Ich danke Ihnen wirklich sehr!» Diese «fröhlichen Nachrichten» hat das Katechetinnenteam den Primarschulkindern in insgesamt drei Versänden zukommen lassen. Doch damit nicht genug. Für die rund 30 Ministrantinnen und Ministranten wurden an Ostern Schoggihasen in der Kirche versteckt, die sie dort suchen konnten. «Fast alle Minis kamen irgendwann in die Kirche und haben sich auf der Liste abgestrichen», freut sich Daniela Scheidegger. «Daraufhin haben wir ihnen ein Rätselcouvert geschickt und Preise in der Kirche versteckt, die sie dann wiederum suchen konnten.» Die Initiative hat sich inzwischen verselbständigt: Die «Oberminis», für die kleineren Minis verantwortliche Jugendliche, haben selber angefangen, den Kleineren Rätsel zu schicken – z.B. eines, in dem alle Namen der Kinder vorkommen.

«Auch die Blauring-Leiterinnen sind sehr aktiv», erzählt die Gemeindeleiterin. «Sie schicken ihren Mädchen jede Woche eine ‹Challenge›, also eine kleine kreative Aufgabe. So haben sie z.B. eine Tanzchoreographie – jede bei sich zuhause – einstudiert und aufgenommen. Auf ihrer geschützten Homepage haben sie diese dann allen gezeigt.» Die Schülerinnen und Schüler des Oberstufen-Religionsunterrichts sowie die Jungen im Firmkurs von St. Konrad beteiligen sich an der Aktion «Broken Bread»: Sie kaufen entsprechend einer Liste Lebensmittel ein und machen daraus Lebensmittelpakete, ergänzt mit selber geschriebenen liebevollen Karten, für Menschen in Not in Zürich.

Natürlich konnte sich auch die Gruppe «Junge Familie» nicht mehr treffen. Da sie schon vor dem Lockdown per Mailgruppe vernetzt waren, haben sie nun ihren rund 80 angeschlossenen Familien ungefähr alle zwei Wochen ein Mail geschickt mit Spielideen und Informa-tionen – z.B. über die Gratishotline der Paarberatung. Das Seelsorgeteam hat trotz Lockdown einen guten Kontakt zu den Pfarreimitgliedern. «Bei Gesprächen in der Migros oder am Telefon haben wir gemerkt, dass es für Familien, die eng aufeinander wohnen oder für die es finanziell knapp ist, schwierig wird», sagt Daniela Scheidegger. «Da wir im Pfarreizentrum einen grossen Fundus an Spielsachen haben, laden wir diese Familien ein, einzeln vorbeizukommen und etwas mitzunehmen, was zuhause etwas Freude und Entspannung bringen kann.» Auch für die zwangsläufig verschobene Erstkommunion hatte das Pfarreiteam eine Idee. Nebst der Anleitung zu einer kleinen Feier zuhause werden die Namen der Erstkommunion-Kinder auf der Pfarreiseite des forums publiziert, so dass Pfarreimitglieder, welche die Kinder kennen, ihnen eine Wunschkarte schreiben können.

«Der Kontakt zu den Kindern ist uns wichtig», sagt Daniela Scheidegger. «Sie sollen merken, wie wichtig und wertvoll sie uns sind – und dass wir sie vermissen.» Offensichtlich ist das gegenseitig. Elena schliesst ihren Brief: «Es wird die Zeit kommen, in der ich wieder in die Kirche kommen kann, um zu ministrieren, und ich Ihnen wieder die Hand schütteln darf. Bis dahin werde ich Ihnen schreiben!»

Text: Beatrix Ledergerber