Gleichnisse aktuell

Wo sich mein Fundament findet

Alle, die ein Haus gebaut haben, wissen, dass sie die Bauweise an den Untergrund anpassen müssen.

Es ist von Vorteil, einen Keller für das Fundament ausheben zu können. So ein Gebäude ist gut gegründet.

So sehr dieses Bild von Jesus nachvollziehbar ist für den Hausbau, so sehr irritiert es, wenn wir es auf unseren Glauben beziehen: hier geht es eben nicht um aktives, kluges Handeln, um einen krisenfesten Glauben, der Schutz vor allen Stürmen des Lebens bieten könnte. Das funktioniert so nicht. Wie komme ich dazu, das eigentliche, innere Fundament zu finden? So einfach, wie Jesus das darstellt, ist es in unserem Glaubensleben ja nicht. Den tragenden Ur-Grund des Lebens finde ich nicht einfach, weil ich suche. Ich kann ihn nicht aktiv durch meine Anstrengung finden.

Ich glaube, dass die meisten von uns dies erst erfahren können, wenn sie die Kontrolle über ihr Leben aus den Händen geben müssen. Dies kann durch eine Krankheit ausgelöst werden, oder wenn Kinder sich anders entwickeln, als man es sich gewünscht hat, durch den Verlust der Arbeit, durch Trennung, Schicksalsschläge. Dann bleibt nichts anderes übrig, als die Kontrolle abzugeben und sich in sein Leben zu fügen; es bleibt, zu akzeptieren, dass die eigenen Pläne durchkreuzt sind, ich gedemütigt und verletzt bin, das Selbstwertgefühl zerstört ist, dass ich von Schmerz erfüllt bin. Das alles nicht zu verdrängen oder schönzureden, sondern wahr sein zu lassen, so wie es ist, ist die Chance, dass sich etwas Neues zeigen kann.

Wir finden es vor: nach durchlebter und erlittener Trauer, nach durchgestandenen Krisen und in grossem Schmerz. Da entdecken wir, dass es eine Kraft in uns gibt, die wir nicht als unsere eigene bezeichnen würden, eine Kraft, die uns hat wachsen und reifen lassen. Die Leiden und Unsicherheiten unseres Lebens, so schmerzhaft und bedrückend sie auch sind, lehren uns und führen uns zur Reife, zur Erfahrung des Ur-Grunds unseres Lebens.

Nicht ich finde es: Die Erfahrung, dass mein Leben gegründet und geborgen ist im Ur-Grund des Lebens, den wir Gott nennen. Dann kann ich Jesus zustimmen: Wer Gott gefunden hat, ist wie jemand, der sein Haus auf Felsen baut. Aber erst dann.

Text: Maria Kolek Braun, Seelsorgerin Psychiatrie