Schwerpunkt

Erlebte Hauskirche

Zum Gottesdienst in die Kirche gehen. Das war bis Anfang März eine Selbstverständlichkeit. Nun entdecken wir die Hauskirche und mit ihr andere Formen des Gottesdienstes. Zehn Einblicke.

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Gemeinsam innehalten

Diese ungewohnte Zeit fordert den Erfindungsgeist! Der Newsletter der Pfarrei Maria Krönung ermutigte uns, im kleinen Kreis Ostern zu feiern, und lieferte den Link zum liturgischen Institut.

Für meinen Partner Werner, der reformiert ist, und für mich war es wichtig, an diesem besonderen Tag innezuhalten. Für unsere Feier wählten wir den Abend, da dann die Aussicht aus dem Wohnzimmer mit dem Sonnenuntergang besonders friedvoll ist und die Kerze am besten zur Geltung kommt. Vorher unternahmen wir eine lange Wanderung, die uns einen Rückblick in Dankbarkeit auf unsere schöne Beziehung ermöglichte. Zurück in Zürich unternahmen wir einen Besuch zu unseren Lieben auf dem Friedhof, wo der Frühling in voller Blüte stand. Zu Hause bereiteten wir das Abend-essen zusammen vor und schmückten den Tisch für unsere kleine Feier: Bibel, Gesangbuch, Blumen, eine Kerze, die Karten, die wir einander zu Ostern geschrieben hatten, die kurzen Empfehlungen des liturgischen Institutes.

Wir teilten uns das Vorlesen der Texte, sprachen die Gebete zusammen und tauschten am Schluss unsere Eindrücke und Gefühle aus. Werner empfindet die Ostergeschichte als Impuls, positiv mit der Endlichkeit des menschlichen Lebens umzugehen. Für mich ist Ostern Zeichen des Übergangs in eine neue Lebendigkeit und Hoffnung auf eine Wiederbegegnung in irgendeiner Form mit meinen Lieben.

Dominique Naegeli-Gascon ist im Ruhestand, arbeitet aber immer noch in ihrem Beruf als Übersetzerin.


 

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Stärkend – aber auch anstrengend

Wir hielten die Hausgottesdienste mit unseren schon etwas älteren Kindern am Palmsonntag und am Ostersonntag, eher ungeplant und im abgekürzten Verfahren. Die Vorlagen unserer Katechetinnen für eine Feier zu Hause lagen ausgedruckt auf dem Zmorgentisch und wir wussten nicht, ob wir dies wirklich probieren wollten. Wie sollte das ablaufen?

Irgendwann begannen wir einfach mit dem Hausgottesdienst – und es kam uns zu Beginn etwas komisch vor. Die Kinder beobachteten das Geschehen zuerst eher kritisch, hielten sich dann aber nicht zurück mit Fragen und Kommentaren. Das Singen mussten wir abbrechen und überspringen.

Gut fanden wir, die Geschichten aus der Bibel gemeinsam zu lesen, bei Bedarf einzelne Textstellen wiederholen zu können, darüber nachzudenken und miteinander darüber sprechen zu können. Man bekommt so mehr und auch ganz anderes davon mit, das ist spannend und zum Teil auch noch lustig. Wir erlebten die Hausgottesdienste als interessant, feierlich, stärkend, aber auch noch als anstrengend. Es war eine gute Erfahrung, doch freue ich mich nach so viel «Home» und Familie wieder auf die Gottesdienste in der Kirche.

Kathrin Giger ist Umweltingenieurin, zurzeit vollamtlich als Familienfrau mit vier Kindern zwischen 10 und 19 Jahren engagiert.


 

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Von Konsumenten zu Akteuren

Seit Jahren geniessen wir die Familien-Gottesdienste in St. Anton. Bis zuletzt haben wir nicht damit gerechnet, dass Ostern dieses Jahr ganz anders sein würde. Doch irgendwann war klar: Diesmal können wir uns nicht an den «Fahrplan» der Pfarrei halten und zu vorherbestimmten Uhrzeiten in der Kirche sein. Wir können nicht einfach konsumieren. Ganz im Gegenteil: Wir werden die Karwoche zu Hause feiern. Wir Eltern sind dafür verantwortlich, dass die Kinder Ostern bewusst wahrnehmen mögen.

Die Katechetinnen und Katecheten haben uns dankenswerterweise einen Leitfaden samt Liedern und Texten zusammengestellt. Wir bemühten uns, nicht nur die Texte zu lesen, sondern sie mit den Kindern zu erleben. Am Gründonnerstag haben wir unsere Familien aus Wien, Zürich und Madrid zum Mitmachen via Skype eingeladen. Aufgrund der eher langsamen Internetverbindung war insbesondere das Singen der Lieder eine Herausforderung – hat aber auch zu Lacherfolgen bei allen Beteiligten geführt. Am Karsamstag brannte ein Auferstehungsfeuer in unserem Garten.

Aufgrund der Unmittelbarkeit der Gottesdienste wurden wir plötzlich von Konsumenten zu Akteuren. Das haben wir nicht nur bei uns, sondern auch bei den Kindern gespürt. Es war eine besonders schöne Erfahrung und hat uns die Osterzeit sehr spürbar werden lassen. Trotzdem wollten wir in diesen Tagen auch die Kirche besuchen und eine Kerze anzünden, obwohl die Leere und Stille zum Himmel schrie und uns nachdenklich zurückliess. Umso mehr genossen wir die kleinen Hausgottesdienste. Ostern 2020 wird für uns alle als äusserst intensiv und innig in Erinnerung bleiben.

Florian und Sabrina Hanslik leben mit ihren drei Kindern zwischen 7 und 11 Jahren in Zürich.


 

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Unvergessliche Familiengespräche

Dank der Inspiration «Ostern zu Hause» im forum erlebten wir unser persönliches kleines Karfreitags- und Osterfest am Familientisch. In der Mitte, auf einem schwarzen Tuch, stand die Osterkerze, daneben ein Palmzweiglein. Wir durchlebten die Passion Christi durch die Bibeltexte aus der Kinderbibel. Beim Einzug Christi in Jerusalem nahmen wir den Palmzweig in den Blick, beim Tod Jesu am Kreuz löschten wir die Kerze aus. Es wurde still und wir erlebten die Trauer der Jünger und von Maria.

Am Ostersonntag stand die Osterkerze auf einem weissen Tuch, daneben Blumen. Als in der Bibel von der Auferstehung Jesu die Rede war, entzündeten wir die Kerze. Da war es wieder hell und auch wir voller Freude und Staunen. Unsere persönlichen Anliegen und Gedanken konnten wir jeweils im Gebet (Vaterunser) ablegen.

Dank dieser persönlichen Feier erhielten unsere Kinder die Möglichkeit, in ihrem Tempo nachzufragen, zu trauern, zu staunen. So wunderten sie sich über den grossen Stein, der vor dem Grab weggerollt wurde, über die Angst und Freude der Engel in der Grabeshöhle. Jesus lebt – immer noch? Ist das unser Glaube, dass wir weiterleben? So ergaben sich wunderbare Familiengespräche, die wir nicht mehr vergessen werden.

Barbara Müller lebt mit ihrem Mann Richard Reutimann und mit ihren drei Kindern zwischen 3 und 13 Jahren in Guntalingen.


 

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Kreativ und mitverantwortlich

Am Hohen Donnerstag haben wir ein israelisches Mahl mit Fladenbrot und Linsen gekocht und anschliessend den Gottesdienst per Livestream gefeiert. Spontan hat unser Jüngster Kerzen und ein Kreuz gesucht und damit auf dem Sofatisch einen Altar hergerichtet.

Am Karfreitag hatte unser Achtjähriger die Idee, den Kreuzweg nachzuspielen. Die ganze Familie war involviert – als Schauspieler, beim Zimmern des grossen Holzkreuzes oder beim Filmen und Schneiden, so dass wir zum Schluss ein richtiges Kreuzweg-Video hatten. Das Kreuz stellten wir in unseren Garten und am Abend versammelten wir uns darunter und lasen die Leidensgeschichte aus dem Evangelium. In der Osternacht haben wir mit der uns verwandten Nachbarsfamilie im Garten ein Osterfeuer entzündet. Unser Grossmami konnte von nebenan durch das Fenster zuschauen und mitfeiern. Nach dem Lesen der Auferstehungsgeschichte haben wir natürlich Eier getütscht und Schoggi gegessen.

Das Schöne war, dass alle kreativ wurden und sich mitverantwortlich fühlten. Wir haben mehr als sonst über das gesprochen, was Jesus erlebt hat und was das für uns bedeutet. Wir fühlten uns aber auch mit anderen verbunden: Eine Familie schickte Fotos von ihrem Osterfeuer, jemand hat uns in der Osternacht geweihtes Weihwasser gebracht, wir machten einen Besuch in der Kirche und trafen jemanden. Jetzt freuen wir uns aber auch wieder auf Gottesdienste mit der ganzen Pfarrei!

Christine Bachmann ist Lehrerin. Die Familie (sieben Kinder zwischen 5 und 19 Jahren) lebt in Adliswil.


 

Kleine, schlichte Mahlfeier

Ich wohne in einer Alterssiedlung, wo zwar alle Anlässe gestrichen sind, wir uns aber frei bewegen können. Mit zwei alten Nachbarn, die ebenfalls traurig über die Ausfälle der kirchlichen Feiern sind, haben wir kurz entschlossen am ersten Sonntag nach Ostern eine kleine, schlichte Mahlfeier gestaltet: Auf einem grossen Tisch im Gemeinschaftsraum der Siedlung, der die vorgeschriebene Distanz ermöglicht, stellten wir eine Gemüsesuppe, etwas Brot und Wein, eine Kerze bereit. Ich habe wenige geistliche Texte von mir bekannten Autoren herausgesucht und vorgelesen. Das gemeinsame Essen im Geist «Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen» ermöglichte uns das Gefühl der Gemeinsamkeit. Zwei Stunden sassen wir beieinander beim Mahl und Gespräch. Stärkend und herzlich. Es hat uns so gutgetan, dass wir das an einem anderen Sonntag wiederholt haben.

Magdalena Maspoli ist 83 und wohnt in Zürich.


 

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Wachsende Sehnsucht

Die Corona-Krise hat vieles auf den Kopf gestellt. Nach dem letzten öffentlichen Gottesdienst musste ich meine Weise, den Glauben zu leben, umstellen. Eine Struktur bildeten die täglichen Impulse von verschiedenen Quellen und meine Gebetszeiten, wie das Morgengebet und die drei Angelus-Gebete. Dazu habe ich zwei geistliche Bücher gelesen. Die Gebete richtete ich zur Gebetsecke in meinem Zimmer. An Sonntagen und an gebotenen Feiertagen habe ich nicht auf eine «Live-Messe» umgestellt, sondern bei mir zu Hause die Hausmesse gelesen: Sie war früher für jene gedacht, die aus Krankheits- oder Reisegründen nicht an einer Hl. Messe teilnehmen konnten. Von Gründonnerstag-Abend bis Ostersonntag-Morgen habe ich Live-Gottesdienste angeschaut. Aber ich habe es ein bisschen eigenartig gefunden, die Messe auf einem Bildschirm zu sehen. Ich beobachte bei mir, wie in dieser schwierigen Zeit meine Sehnsucht nach dem Empfang der Sakramente nicht geringer geworden ist, wegen des Risikos zum Beispiel, sondern immer mehr am Wachsen ist.

David Davolio ist 19, Gymnasiast und wohnt
in Zürich-Werd


 

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Auf die leisen Töne hören

Dieses Jahr hatte ich das Bedürfnis, Ostern näherzukommen. Ich tat dies alleine, wie meistens, wenn ich mich mit Dingen beschäftigen und Antworten finden will, die mir wichtig sind. Dann brauche ich mein inneres Gehör, um die leisen und richtigen Töne zu hören. Zeit war jetzt ja da: Ich habe die Ruhe kennengelernt, viel über die Ostergeschichte gelesen und gebetet. Beeindruckt hat mich das schnelle Nach- und Nebeneinander der Ereignisse und Stimmungen der drei Tage. Es ist die Folge und die Wandlung von Ergebenheit und Geschehenlassen, über Trauer, Leere und Warten, hin zum Finden, Aufstehen und Auferstehen. Bei meinem Weg liess ich mich begleiten von den Podcast-Gottesdiensten aus St. Martin Zürich-Fluntern und von einer Osterkerze. Beides war neu für mich, und so war da in der Osternacht ein ganz intensives, eigenartiges Licht. Ich glaube, ich konnte die Botschaft, die Gnade und die Schönheit spüren, die Gott uns an Ostern durch Jesus Christus schenkt. Auf jeden Fall fand ich mich berührt und zugehörig! In dieser Weise denke ich, dass mein Glaube und auch ein Stück von der Kirche sehr persönlich zu mir nach Hause gekommen sind. Wir können die Gegenwart, die Wahrheit und die Liebe Gottes auch fühlen, wenn wir nicht in der Lage sind, einander mit direkter Nähe zu begegnen. Wir sind niemals getrennt. Diese Brücke, dieser Frieden und diese Bestärkung – so stelle ich mir es vor – ist, was uns der Heilige Geist gewährt. Dabei bin ich neu geworden, und nun möchte ich die Freude darüber und die Kraft, die davon ausgeht, in mir tragen und den Menschen weitergeben. Für nächstes Jahr ist es mein Wunsch, um die Taufe zu bitten.

Stefan Erni, 49, ist Apotheker und wohnt in Zürich-Fluntern.


 

Verbundenheit über die Religion hinweg

Ich feiere täglich allein oder mit wenig Besuch in Distanz die Messe in meiner Stube. Das ist aber für einen pensionierten Pfarrer nicht anders als sonst auch. Was jedoch besonders war: Ich erlebte am interreligiösen Gebetstag am 14. Mai eine unglaublich tiefe Verbundenheit über die Religionen hinweg. Der Tag war von dem interreligiösen «Komitee für Brüderlichkeit aller Menschen», dem Papst und dem Weltkirchenrat als Fast- und Gebetstag für das Ende der Pandemie ausgerufen worden. Muslimische Freunde, mit denen wir jährlich ein interreligiöses Dialogtreffen durchführen, hatten die Idee, dass wir uns mit einer Zoom-Konferenz zum Gebet verbinden. Wir waren über 100 Leute, Muslime und Christen. Vorgängig hatten wir abgesprochen, wer ein Gebet spricht. Es waren zwei Muslime und drei Christen. Die schlichten, tiefen Gebete haben uns alle zutiefst berührt. Wegen Corona ist ja so vieles nicht möglich, aber diese Verbundenheit über die Religion hinweg war trotzdem oder vielleicht gerade deswegen so stark.

Markus Moll, pensionierter Pfarrer in Zürich-Leimbach


 

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Jesus ist und wirkt überall

Seit dem Lockdown feiern wir jeden Sonntagmorgen Gottesdienst in unserer Wohnung mit dem beherzten Podcast von St. Martin Zürich-Fluntern. Jesus ist und wirkt überall, natürlich auch zu Hause und zu jeder Zeit. Dies zu wissen, tut gut. Durch den Podcast haben wir Gelegenheit, eine neue kostbare Erfahrung zu machen. Nämlich, dass sich unsere Privatsphäre in eine Hauskirche verwandeln kann! Dies ist umso feierlicher, da die 40 Fäden des Fastentuchs 2020 von St. Martin jetzt auf unserem Salontisch hocken, wie ein Nest. Zwei weisse Tauben von der griechischen Insel Tinos haben sich dazu gesellt. Not macht erfinderisch!

Joseph Egan, 68, ist bildender Künstler und lebt mit seiner Frau in Zürich-Fluntern. Seit elf Jahren gestaltet er in der Fastenzeit eine Fastentuch-Installation in der Kirche St. Martin.

Text: Veronika Jehle, Thomas Binotto, Beatrix Ledergerber

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Hausgebet und Hauskirche haben in den letzten Wochen eine grössere Rolle gespielt als davor. Das Liturgische Institut in Freiburg i. Ue. stellt für deren Gestaltung vielfältige und reichhaltige Materialien zur Verfügung.

www.liturgie.ch