Denkanstoss

Mit Kindern über Pfingsten reden

Kennen Sie die biblische Geschichte vom Geleimten? Oder wussten Sie, dass es Gottes Geist manchmal ziemlich eilig hat?

Wenn Sie solche oder ähnliche Aussagen kennen und nun schmunzeln, dann haben Sie wahrscheinlich selber Kinder – oder einfach viel mit Kindern zu tun. Auch für meinen viereinhalbjährigen Sohn ist die kirchliche Sprache oft ein bisschen zu abstrakt und unfassbar. Die Heilung eines Gelähmten? Das gehört genauso wenig zu seiner Lebenswelt wie die Rede vom Heiligen Geist. Kein Wunder also, hört er manchmal etwas anderes, als jemand gesagt hat – und wird bei Kindern aus dem Gelähmten ein Geleimter und aus dem Heiligen ein eiliger Geist …

Meine Tochter wiederum ist schon grös-ser und wird in ein paar Tagen zehn Jahre alt. Sie weiss, so hat sie mir erzählt, dass an Pfingsten Gott uns Menschen seinen Geist geschenkt hat. Doch was heisst das? Als ich ihr diese Frage stelle, beantwortet sie sie nach einem kurzen Nachdenken mit dem Hinweis, dass die Jüngerinnen und Jünger Mut gespürt haben. «Und du, Jaël? Hast du das auch schon gespürt?», möchte ich von ihr wissen. «Ja», sagt sie, «ihr habt mir auch schon Mut gemacht!» Mir ihr, präzisiert sie, sind wir Eltern gemeint. Die Antwort gefällt mir, denn Gottes Geistkraft stelle ich mir so vor, dass sie das unterstützt und verstärkt, was bereits vorhanden ist. Nicht als Kraft wider die Natur also, sondern sozusagen als Rückenwind, der den Radfahrer gleichsam den Berg hinaufträgt.

Auch ein bisschen stolz bin ich auf meine Kleine. Darauf, dass sie Pfingsten so gekonnt als Geistgabe erkennt und dann auch noch mit dem Mut verbindet, der aus dem Glauben und der Beziehung zu Gott oder den Eltern (was ja vielleicht gar nicht so weit voneinander entfernt ist) hervorgeht.

Und vielleicht ist auch das eingangs erwähnte Bild vom eiligen Geist gar nicht so verkehrt – obwohl es sich ja an sich um ein kleinkindliches Missverständnis handelt. Der Geist Gottes hat es sicher manchmal eilig, zu uns Menschen zu kommen, damit wir das Leben ein bisschen ruhiger und gelassener angehen können. Wenn wir als Christinnen und Christen Mut erfahren, können wir den Herausforderungen des Lebens beherzt begegnen – mit dem Heiligen Geist im Rücken.

Text: Daniel Ritter, Theologe und Religionspädagoge