Kräuter im Kloster

Klatsch-Mohn

Morphin enthält der Milchsaft des Klatsch-Mohns nicht – im Gegensatz zu seinem grossen Bruder, dem lilablühenden Schlaf-Mohn.

Dessen Anbau ist aber aufgrund seines nicht nur schlaf-, sondern je nach Dosierung auch todbringenden Giftes bei uns verboten. Eine beruhigende Wirkung hat ein Tee aus Klatsch-Mohn-Blüten gleichwohl. Dazu übergiesst man einen Esslöffel davon mit 250 ml ca. 60° C heissem Wasser.

Vor allem im Mittelalter wurde die Wirkung der Pflanze wahrscheinlich wegen ihres ursprünglich im asiatischen Raum beheimateten Verwandten stark überschätzt. Heute verwendet man die roten Blütenblätter in erster Linie als Schönungsmittel in Tee-Mischungen oder als Farbtupfer im Salat. Die Samen sind eine beliebte Zutat in Broten und Gebäck.

Von Mai bis Juli in Getreidefelder und an Wegrändern wachsend ist der Klatsch-Mohn ein Bote des Sommers. Er trägt Knospen, Blüten und Samenkapseln gleichzeitig – und überrascht mit Zahlen: Jede Blüte hat 164 Staubblätter, die 2,5 Millionen Pollenkörner liefern, und in der Samenkapsel reifen bis zu 20 000 winziger Samen heran.

Das Gefäss der Kapsel versteckt sich möglicherweise auch hinter dem ersten Teil des lateinischen Namens. Der zweite trägt dem Umstand Rechnung, dass die Blütenblätter sehr schnell, oft bereits während des Pflückens abfallen. Der erste Teil des deutschen Namens jedoch soll sich auf das Geräusch beziehen, das entsteht, wenn man durch ein Blütenblatt die Luft einsaugt.

Text: Alexandra Dosch, Dipl. Feldbotanikerin und Theologin

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Illustration aus «Kräuterbuch deß uralten Unnd in aller Welt berühmtesten Griechischen Scribenten Pedacii Dioscoridis Anazarbaei (…).» 1614. (Buch im Besitz des Klosters Fahr)