Kultur

Stammfotograf der Schweizergarde

Das Bild für das Plakat des Swiss-Press-Photo-Wettbewerbs im Landesmuseum Zürich stammt vom Winterthurer Fotografen und Jugendseelsorger Oliver Sittel.

Stolz zeigt Oliver Sittel in seinem Büro in Winterthur das Foto, das die Macher des Swiss Press Photo Award als Motiv für ihr Ausstellungsplakat gewählt haben. Es ist ein Motiv aus einer Serie von Bildern über die Schweizergarde zum Thema «Alltag». Die Nachricht über die Wahl habe ihn erfreut, aber auch ein wenig traurig gemacht. Wenn die Ausstellung, die nun wegen des Coronavirus abgesagt wurde, stattgefunden hätte, dann wäre dieses Plakat vielfach gesehen worden.

Sittel kann als Stammfotograf der Päpstlichen Schweizergarde in Rom bezeichnet werden. Woher kommt die Faszination für die Schweizergarde? Ganz am Anfang stand ein Pfarrer, der in seiner Heimatpfarrei in der Pfalz tätig war und der in Rom studiert hatte. Bei einem seiner Diavorträge sah Oliver Sittel Bilder von Schweizergardisten. Am liebsten wäre er selbst Gardist geworden, was ihm als deutschem Staatsbürger jedoch verwehrt ist.

Er sei Hobbyfotograf gewesen, als ihn das Thema Schweizergarde immer mehr zu fesseln begann. Durch einen Auftrag des Portals kath.ch und durch besondere Beziehungen gelang ihm 2013 ein Coup: Er durfte die Privataudienz der Schweizergarde beim Papst fotografieren – als einziger externer Fotograf. Am 6.  Mai 2013 fotografierte er bereits die erste Vereidigung. Als der heute 47-Jährige 2014 erneut eine Privataudienz festhalten konnte, war sein Bildband «Schweizergarde – Pontifical Swiss Guard» bereits in Arbeit.

Oliver Sittel begleitet die Päpstliche Schweizergarde in Rom seit Jahren fotografisch.

Oliver Sittel begleitet die Päpstliche Schweizergarde in Rom seit Jahren fotografisch. Foto: Oliver Sittel

Oliver Sittel begleitet die Päpstliche Schweizergarde in Rom seit Jahren fotografisch.

Oliver Sittel begleitet die Päpstliche Schweizergarde in Rom seit Jahren fotografisch. Foto: Oliver Sittel

Oliver Sittel begleitet die Päpstliche Schweizergarde in Rom seit Jahren fotografisch.

Oliver Sittel begleitet die Päpstliche Schweizergarde in Rom seit Jahren fotografisch. Foto: Oliver Sittel

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«Ich bin über Jahre in diese Arbeit hineingewachsen», sagt Oliver Sittel. Seit zwei Jahren darf er auch in Santa Marta, dem Gästehaus des Vatikans, übernachten. Im Speisesaal laufe er immer mal wieder Papst Franziskus über den Weg. «Ich habe ihn schon am Salatbuffet, vor der Mikrowelle oder an der Reception angetroffen», erzählt er.

Oliver Sittel ist schon früh mit der Kamera rausgegangen und hat versucht, entscheidende Momente einzufangen. Er hat sich stets auch weitergebildet, vor allem durch Workshops von Fotografen der bekannten Agentur VII.

Angetan war er erst von der Kriegsfotografie. Er bewundert Fotografen wie James Nachtwey, die versuchen, mit einem Bild ein Anliegen und eine Botschaft zu vermitteln. Seine Diplomarbeit in Theologie schrieb er dann auch zur Frage, ob Kriegsfotografie die christliche Botschaft verkündigen kann.

Es gibt aber auch eine andere Seite von Oliver Sittel, den passionierten Jugendseelsorger. Den agilen Typen, der mit viel Verve Angebote für junge Erwachsene erarbeitet. Seit 13 Jahren nun arbeitet er als regionaler Jugendseelsorger beim Projekt Freiraum der katholischen Kirchgemeinde Winterthur. Eine Stelle, die an keine Pfarrei angebunden ist, sondern an der Sittel überpfarreilich tätig ist.

Seit dem Lockdown macht Oliver Sittel Livestreams über seine Facebook-Seite über Themen der Zeit, um Menschen seine Nähe und Begleitung zu vermitteln. Doch noch viel mehr als digitale Tools beindrucken den Winterthurer die Jugendlichen, die seit dem Lockdown für Menschen der Risikogruppen einkaufen und für Einsame da sind. «Ich habe den Eindruck, dass das persönliche Gesicht der Kirche derzeit grösstenteils von engagierten Jugendlichen repräsentiert wird», sagt Oliver Sittel: «Sie dürfen nach dieser Krise nicht wieder aus unserer Wahrnehmung verschwinden.»

Text: Vera Rüttimann, kath.ch

Angebot laufend

«Schweizergarde»

Oliver Sittel,
Theologischer Verlag Zürich 2015.
Fr. 42.90.
ISBN 978-3-290-20105-0