Schwerpunkt

Sommer mit Aussicht

Ferien in der Schweiz sind in diesem Sommer angesagt.
Auch katholische Bildungshäuser haben viel zu bieten.

Spartanische Unterkünfte mit Etagenduschen und Insidermief – das ist längst Vergangenheit. Katholische Bildungshäuser sind heute Seminar- und Hotelbetriebe, die ein breites Publikum von Gruppen, Familien und Einzelgästen ansprechen.

Auch im Sommer 2020 haben sie deshalb einiges in die Waagschale zu werfen. Praktisch alle Häuser wurden in den letzten Jahren umsichtig saniert. Zimmer mit Dusche und WC sind zum Standard geworden. Die Einrichtung ist zeitlos schlicht, im besten Falle sogar chic minimalistisch. Wer Entspannung ohne modischen Firlefanz sucht, der findet hier quer durchs Land eine breite Palette.

Laubengang zum Paxmontana.

Laubengang zum Paxmontana. Foto: Jugendstil-Hotel Paxmontana/zvg

Das 1896 erbaute «Paxmontana» steht unter Denkmalschutz.

Das 1896 erbaute «Paxmontana» steht unter Denkmalschutz. Foto: Jugendstil-Hotel Paxmontana/zvg

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Kraftort im Zentrum der Schweiz

Im Flüeli-Ranft hat Bruder Klaus extreme Entschleunigung vorgelebt. Ganz so asketisch geht es hier heute nicht mehr zu. Das Jugendstil-Hotel «Paxmontana» thront geradezu spektakulär auf der Flanke.

«Zürich hat zum Paxmontana eine enge Verbindung», erklärt René Berchtold, Pfarrer in St. Peter und Paul Zürich und seit 2013 im Verwaltungsrat des Hotels. Das 1896 erbaute Haus benötigte vor zehn Jahren eine Totalsanierung, die «aufwendig und teuer war, da das Haus unter Denkmalschutz steht», erzählt Berchtold. «Das Hotel lief deshalb Gefahr, von ausländischen Investoren übernommen zu werden, da das Geld für die Renovation fehlte.»

Als damaliger Dekan der Stadt Zürich konnte er Katholisch Stadt Zürich davon überzeugen, insgesamt 8,5 Millionen als verzinsbares Darlehen in dieses Haus zu investieren, damit es in kirchlichen Händen und als Pilgerhotel erhalten blieb. Nach den Statuten müssen seither 51% der Aktien in kirchlicher Hand sein. Zum Bruder-Klaus-Jubiläum 2017 hat Katholisch Stadt Zürich zwei Millionen der Schuld erlassen. 

Heute ist das Jugendstil-Hotel nicht nur ein Bijou, seit der Renovation ist es auch wieder besser ausgelastet, da es nun mit seinem historischen Saal für Bankette und Hochzeiten sowie Seminare bestens geeignet ist.

Zum Paxmontana gehören ein Gasthaus mit einfacheren Zimmern sowie ein Bettenhaus für Pilgerinnen und Pilger. Die ebenfalls dazu gehörende Jugendherberge wird von der Bruder-Klausen-Stiftung betrieben. 

Direktorin Myriam Baumgartner: «Familien kommen wir dieses Jahr preislich sehr entgegen. Wir haben grosszügige Familienzimmer, in denen zwei Doppelzimmer mit einer Türe verbunden sind, ein hauseigenes Kneippbecken und viele Spielanlagen rund ums Haus. Zudem bietet die Ferienregion Obwalden viele tolle Familienaktivitäten.»

Das Paxmontana steht auf dem Gelände des Hofes von Bruder Klaus, sozusagen neben seinem Wohnhaus, das besichtigt werden kann. Das «Paxmontana» ist kein Bildungshaus. «Wer an diesem Kraftort Ruhe und Erholung sucht, ist bei uns richtig», verspricht die Gastgeberin. Die Vision des Hauses ist noch immer der Tradition seines Standortes verpflichtet: «Für Menschen, die im Wallfahrtsort Flüeli-Ranft Ruhe, Kraft und Einkehr suchen oder die Balance zwischen Entspannung, aktiver Erholung und Genuss.»

Gartenlabyrinth im Zentrum Ranft.

Gartenlabyrinth im Zentrum Ranft. Foto: Zentrum Ranft/zvg

Aussicht beim Zentrum Ranft.

Aussicht beim Zentrum Ranft. Foto: Zentrum Ranft/zvg

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Oasen der Besinnung

Wer in Flüeli-Ranft einen Ort zum Innehalten und Auftanken sucht, der findet ihn im «Zentrum Ranft», wo früher die Dorotheaschwestern zusammen mit Jugendorganisationen das Friedensdorf betrieben haben.

2017 haben zwei lokale Unternehmen und die heutige Leiterin Ursula Bründler die Liegenschaft übernommen. Sie wird nun von einem Trägerverein betrieben. «Mir ist es wichtig, dass unser Haus den Menschen innere Orientierung geben kann. Das verbinde ich stark mit der Essenz der Spiritualität von Bruder Klaus: Einfachheit, Reduktion aufs Wesentliche, Achtsamkeit und Verbundenheit mit der Natur», sagt Ursula Bründler.

Das «Zentrum Ranft» bietet verschiedenste Kurse und Veranstaltungen wie die «Ranfter Klimagespräche» in Zusammenarbeit mit dem Fastenopfer an. Es heisst aber auch Einzelgäste willkommen, die einen Ort der Stille zum Abschalten und Innehalten suchen. Freiwillige können im «Einsatz vor Ort» jeweils eine Woche lang im Garten und im Pflanzenlabyrinth des Hauses mitarbeiten, gegen Kost und Logis.

«Im August beginnen wir mit unserem Permakulturprojekt», sagt Ursula Bründler. «Es entstehen kleine Wege, Hecken und Wildobst-zonen, zum Programm gehören auch Momente der Meditation.»

Haus Bethanien: Kapelle

Haus Bethanien: Kapelle Foto: Haus Bethanien/zvg

Aussicht beim Haus Bethanien Richtung Sarnersee.

Aussicht beim Haus Bethanien Richtung Sarnersee. Foto: Haus Bethanien/zvg

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Nur eine halbe Stunde Fussweg vom Flüeli-Ranft entfernt liegt das Kloster Bethanien. Hier leben die Dominikanerinnen seit 2012 mit der Gemeinschaft Chemin Neuf in einer Hausgemeinschaft zusammen. Die 1973 in Frankreich entstandene Bewegung «Chemin Neuf» fühlt sich vor allem der Ökumene verpflichtet. Sie leitet in Bethanien das Gästehaus.

Auch hier läuft nach dem Lockdown der Betrieb langsam wieder an. Anny Lang berichtet von ersten positiven Erfahrungen: «Wir hatten bereits wieder eine erste Gruppe im Haus. Das Schutzkonzept hat gut funktioniert. Wir hoffen, dass nun das Vertrauen der Menschen möglichst schnell wieder wächst.»

Die Angebote von «Chemin Neuf» verbinden Erholung mit Spiritualität. Unter dem Motto «Cool und erholsam!» werden Familienferien angeboten. Ein weiteres Angebot richtet sich an Paare, die ihre Beziehung vertiefen wollen. Und im August richtet sich das Programm dann vor allem an Menschen, die Wandern und Beten verbinden wollen.

Das Mattli Antoniushaus in Morschach.

Das Mattli Antoniushaus in Morschach. Foto: Mattli Antoniushaus/zvg

Der Blick aus dem Frühstücksraum auf den Urnersee.

Der Blick aus dem Frühstücksraum auf den Urnersee. Foto: Mattli Antoniushaus/zvg

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Junger Wind über dem See

Das «Mattli», hoch über dem Vierwaldstättersee gelegen, bietet in diesem Sommer gleich drei Camps für Kinder und Jugendliche an. «Unsere Jugendmusikwoche gibt es bereits seit 13 Jahren. Im letzten Sommer haben wir dieses Angebot mit einer Theater- sowie einer Musicalwoche ergänzt.», erklärt Hans Egli, Geschäftsleiter im Antoniushaus.

In der Theaterwoche im Juli entwickeln Kinder zwischen 9 und 13 Jahren zusammen mit zwei Theaterpädagoginnen ein Stück zum Thema «Hotel». Die gleiche Altersgruppe spricht das Kids-Musical-Camp im August an. Zu deren Abschluss wird die Wiese vor dem «Mattli» zur spektakulären Freilichtbühne.

Wie in praktisch allen katholischen Bildungshäusern werden auch im «Mattli» die Stammgäste immer älter. Die Angebote für Kinder und Jugendliche sind deshalb auch ein Versuch, Gäste für die Zukunft zu gewinnen. Kinder, die in diesem Sommer eine begeisternde Projektwoche erleben, könnten die Stammgäste von morgen sein.

Dafür braucht es allerdings auch eine zeitgemässe Infrastruktur. Deshalb wurde die Zeit des Lockdowns im «Mattli» zielstrebig genutzt. Ein ohnehin geplantes Sanierungsprojekt wurde intensiviert, da man keine Rücksicht auf Gäste nehmen musste. Nun gelte es vor allem die Distanz- und Hygieneregeln umzusetzen. «Wir haben zum Glück genügend Platz, so dass es kein Problem ist, in den Mehrbettzimmern zwischen Betten die zwei Meter Abstand einzuhalten. Auch im Speisesaal und in den Kursräumen ist genügend Raum vorhanden.»

Blick vom Kloster Ilanz in die Surselva.

Blick vom Kloster Ilanz in die Surselva. Foto: Haus der Begegnung, Ilanz/zvg

Das Kloster Ilanz.

Das Kloster Ilanz. Foto: Haus der Begegnung, Ilanz/zvg

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Klösterliche Offenheit im Bündnerland

«Wer im Haus der Begegnung in Ilanz Ferien macht, kann an einem der vielen angebotenen Kurse oder einer Veranstaltung teilnehmen, selber in der wunderschönen Umgebung seine Zeit verbringen oder den Dominikanerinnen des zugehörigen Klosters begegnen, an deren Gebeten und Gottesdiensten teilnehmen oder geistliche Begleitung in Anspruch nehmen», sagt Manuela Arquisch vom Haus der Begegnung.

Zu den Highlights dieses Sommers gehört die «Surselva-Safari», eine Ferienwoche mit einem Rundumprogramm wie Entdeckungswanderungen durch die Rheinschlucht und in eine Tropfsteinhöhle, einer inszenierten Stadtführung in Ilanz oder einer Dorfführung durch Vals inklusive Besichtigung einer Alp mit Geisskäse-Herstellung. Ebenfalls angeboten werden Grill- und Backkurse, oder ein E-Bike-Schnupperkurs. 

Sr. Ida Fassbind bietet wie jedes Jahr zwei gemütliche Wanderwochen in der Surselva an. «Das mache ich nun schon seit 20 Jahren», schmunzelt sie. «Die Surselva ist so wunderschön, da lässt sich immer wieder etwas Neues entdecken!» Ausgangspunkt ist wie bei der Surselva-Safari das Haus der Begegnung.

Nach einem Morgenimpuls und dem Frühstück kann man sich das Picknick selber zusammenstellen, dann gibt es täglich eine gemütliche Wanderung von ungefähr drei Stunden. «Am Vorabend stelle ich jeweils die Route vor und unterwegs gebe ich eine Einführung in die Gegend, wo wir gerade durchwandern, stelle die Dörfer und Orte vor oder wir begegnen Künstlern oder Persönlichkeiten dieser Orte.» Dieses Jahr soll es ein Besuch bei einem Geigenbauer in Truns sein – und in der Sternwarte in Falera.

Kirchliche Bildungshäuser bieten ein vielfältiges Programm. Wer Lust auf spirituelle Aktivferien hat, findet hier für beinahe jeden Geschmack etwas. Sei es Kultur im ehemaligen Benediktinerkloster in Wislikofen, spirituelle Vertiefung bei den Jesuiten in Edlibach, sportlicher Bewegungsdrang in Quarten am Walensee, Offenheit zur Begegnung im Dialoghotel in Baar, Wandern im Wallis oder einfach nur Ruhe und Stille in der Stella Matutina am Vierwaldstättersee.

Und überall ist man auch als Einzelgast willkommen, der sich sein Programm ganz allein macht. Wer will, kann diese Orte ganz einfach als Oasen der Entschleunigung geniessen. Mindestens das Panorama ist überall göttlich. Gleichgültig ob man auf den Pilatus, das Stanserhorn, den Vierwaldstättersee oder in die Surselva blickt.

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer / Thomas Binotto

Umbau Propstei Wislikofen

Angebot laufend

Katholische Bildungshäuser im Kurzbeschrieb

 

1. La Montanina

Die einfache Gruppenunterkunft liegt im Bleniotal zwischen Lukmanierpass und Biasca.

6718 Blenio (Camperio)

079 375 90 90, info@lamontanina.ch

www.lamontanina.ch

 

2. Ostello Cappuccini Faido

Eine kleine Kapuzinergemeinschaft lebt in diesem Kloster im Valle Leventina, das für Gruppen, Familien und Einzelne offensteht. Die Patres stehen auf Wunsch für spirituelle Angebote zur Verfügung.

Via Lucerna, 7, 6760 Faido

091 866 26 25, ostellofaido@gmail.com

www.ostellofaido.com

 

3. Hôtellerie franciscaine

Gepflegte Einfachheit zu günstigen Preisen, die sich vor allem für Gruppen und Familien eignet. Die Küche setzt vor allem auf regionale Produkte und Gemüse aus dem eigenen Garten.

Rue Antoine-de-Quartéry 1, 1890 St-Maurice

024 486 11 11

www.hotellerie-franciscaine.ch

 

4. Propstei Wislikofen

 

Das ehemalige Benediktinerkloster ist ein historisches Kleinod nahe am Rhein. Für Gäste sind die Angebote des Hauses wie Kräuterkunde, Brauerei- oder Weinbergführung kostenlos.

Propsteiweg, 5463 Wislikofen

056 201 40 40, info@propstei.ch

www.propstei.ch

 

 

5. Lassalle-Haus

Für Gäste, die Stille und Einkehr suchen oder einen spirituellen Weg gehen und diesen vertiefen möchten. Im 2015 umfassend renovierten Haus sind Ferien mit oder ohne Teilnahme an den vielfältigen Kursen möglich.

Bad Schönbrunn, 6313 Edlibach

0 41 757 14 14, info@lassalle-haus.org

www.lassalle-haus.org

 

6. Haus der Begegnung
Die Dominikanerinnen sind vor allem für ihre kulturellen Angebote, ihre Wanderferien und vielfältigen Meditationskurse bekannt.
Klosterweg 16
7130 Ilanz
081 926 95 40
hausderbegegnung@klosterilanz.ch
www.klosterilanz.ch

 

7. Haus Bethanien
Die Dominikanerinnen von Bethanien und die Gemeinschaft Chemin Neuf pflegen diese Oase der Stille und Ruhe. Hier kann man Entschleunigung allein oder in der Familie geniessen.
Bethanienstrasse 3
6066 St. Niklausen
041 666 02 00
www.haus-bethanien.ch

 

8. Stella Matutina
Das auf der Halbinsel Hertenstein am Vierwaldstättersee gelegene Haus eignet sich vor allem für Gäste, die Ruhe und Stille suchen, gerne Ausflüge mit Schiff oder Bahn machen und wandern. Den hauseigenen Badeplatz wird man so schnell nicht vergessen.
Zinnenstrasse 7
6353 Weggis/Hertenstein
041 392 20 30
info@stellamatutina-bildungshaus.ch
www.stellamatutina-bildungshaus.ch

 

9. Mattli Antoniushaus
Ein Haus mit viel Platz – spektakulär über dem Vierwaldstättersee gelegen. Das Angebot im neu renovierten «Mattli» reicht vom Touristenlager bis zu gediegenen Zimmern mit Bad und WC.
Mattlistrasse 10
6443 Morschach
041 820 22 26
info@antoniushaus.ch
www.antoniushaus.ch

 

10. Dialoghotel Eckstein
Das Dialoghotel – getragen von der Fokolar-Bewegung – bietet für jeden Geldbeutel etwas: vom einfachen Hostel mit Mehrbettzimmern bis hin zu neu renovierten Superior-Zimmern. Die Räume und das Konzept des Hauses laden zur Begegnung ein.
Langgasse 9
6340 Baar
041 766 46 00
info@dialoghotel-eckstein.ch
www.dialoghotel-eckstein.ch

 

11. Bildungshaus St. Jodern
Das schlichte, zweckmässig eingerichtete Haus bietet sich vor allem für Gäste an, die gerne in den Walliser Bergen wandern gehen. Es gibt mehrere familienfreundliche Zimmer mit Verbindungstüren.
St. Jodernstrasse 17
3930 Visp
027 946 74 74
info@stjodern.ch
www.stjodern.ch

 

12. Zentrum Neu-Schönstatt
Mit Blick auf Walensee und Churfirsten bietet sich das Haus vor allem für Familien an. Mitten in der Ferienregion Heidi-land kommen hier bewegungsfreudige Menschen auf ihre Rechnung.

Josef-Kentenich-Weg 1
8883 Quarten
081 511 02 00
reception@neuschoenstatt.ch
www.neuschoenstatt.ch

 

13. Zentrum Ranft
Ideal für Menschen, die eine Auszeit suchen. Auf Wunsch werden sowohl Gespräche, Meditationen, die Teilnahme an Kursen als auch die Integration in den betrieblichen Alltag zur Verfügung gestellt.
Hubel 2
6073 Flüeli-Ranft
041 660 58 58
info@zentrumranft.ch
www.zentrumranft.ch

 

14. Jugendstil-Hotel Paxmontana
Das 1896 gebaute Haus lädt nur schon durch seine Tradition und seine Lage zum Auftanken am Kraftort ein. Wurde 2019 zum «Best Historic Country Hotel Worldwide» gekürt.
Dossen 1
6073 Flüeli-Ranft
041 666 24 00
info@paxmontana.ch
www.paxmontana.ch


In der Schweiz haben sich insgesamt 35 Hotels zum «Verband Christlicher Hotels» zusammengeschlossen. Mehr Informationen unterwww.vch.ch