Im Züripiet dihei

Zeichen setzen

Nach einer besonderen Wallfahrt wurde am 18. Juni dem Ordinariat in Chur die Petition «Solidarität mit Martin Kopp» übergeben.

Gemeinsame Stille in der Churer Kathedrale, anschliessend Übergabe der Petition an Bischof Peter Bürcher – das wäre der Plan gewesen. Vorgesehen hatten dies die Initianten einer besonderen Wallfahrt: Eine Gruppe von Theologinnen und Theologen war zu Fuss in mehreren Tagesetappen nach Chur gepilgert. Mit im Gepäck hatten sie die von ihnen lancierte Petiton «Solidarität mit Martin Kopp.»

Die von gut 3800 Personen unterzeichnete Petition fordert ausserdem einen Bischof «mit Brückenbauerqualitäten» im polarisierten Bistum Chur.

Absage im letzten Moment

Die Nachricht, dass die Kathedrale nicht zugänglich sein würde, traf laut den Petitionären auf den letzten Drücker ein. «Die E-Mail des Bistums kam gestern kurz vor 21 Uhr. Es hiess, die Kathedrale werde morgens desinfiziert und sei bis 9.30 Uhr nicht zugänglich», sagt Petitionärin und Pilgerin Hella Sodies.

Die gemeinsame, Stille hielten die Anwesenden dann einfach im Hof an der Sonne ab. Rund 80 Personen waren gekommen, um mit ihrer Präsenz Solidarität mit dem geschassten Bischofsvikar zu demonstrieren.

Nach dem halbstündigen Innehalten ging es dann gemeinsam zum nahen Eingang des Bischofssitzes gleich vis-à-vis im Hof. Anstatt Bischof Bürcher nahmen seine Kanzlerin Donata Bricci und Kanzleisekretär Hugo Hafner die als Geschenk verpackte Petition entgegen.

Pilger Daniel Burger-Müller wies auf den Widerspruch zu dem von Bischof Bürcher selbst gestarteten Prozess der Erneuerung der Kirche hin. «Dass wir aufeinander hören, war seine Idee. Da bräuchte es nun ihn. Es bräuchte, dass er uns zuhört.»

Angebot laufend

Amanda Ehrler übergibt im Namen von «Vielstimmig. Kirche sein» Kanzlerin Donata Bricci vor dem Ordinariat in Chur die Petition «Solidarität mit Martin Kopp». Foto: Ueli Abt

Anschliessend begaben sich die anwesenden Unterstützer hinauf zur Kirche St. Luzi beim Priesterseminar und der Hochschule.

Der Ort sei nicht zufällig gewählt, führte Simone Curau-Aepli, Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes, vor dem Publikum aus. Schliesslich sei Luzius der Schutz-patron des Bistums, und um dessen Zukunft gehe es.

Der Dank an Martin Kopp für seine Verdienste zugunsten einer glaubwürdigen und zeitgemässen Kirche sei auch verbunden mit der Würdigung vieler anderer, welche weiterhin ausgeschlossen werden.

Auf Wirkung hoffen

Curau-Aepli würdigte insbesondere vier Personengruppen: Frauen, welche allein aufgrund ihres Geschlechts keinen Zugang zur Priesterweihe erhalten, Priester in Liebesbeziehungen, die genug hatten vom Versteckspiel und darum ihr Amt aufgeben müssen, Personen, die sich vom gleichen Geschlecht angezogen fühlen, sowie all jene, die den Glauben zeitgemäss interpretieren wollten und deswegen Rede- oder auch Auftrittsverbot erhielten.

Im Verlauf des Anlasses ergriff auch Martin Kopp das Wort. «Es ist schön, dass man so zueinander stehen kann», sagte er. Das sei ein Zeichen für eine lebendige Kirche. Wenn auch unten im Ordinariat wohl nicht schon alle eifrig am Lesen der Petition seien, so werde sie bestimmt längerfristig Wirkung zeigen.

«Ein neuer Bischof im Bistum wird uns zuerst neu lehren müssen, aufeinander zu hören. Wir haben ein unglaubliches Kommunikationsproblem im Bistum», bilanzierte Kopp.

Seine Worte schloss er mit einer Beobachtung aus der Churer Kathedrale, die er eben noch zum Gebet aufgesucht habe. Dort habe er plötzlich wahrgenommen, dass der zunächst recht dunkel wirkende Kirchenraum von der Krypta her erleuchtet werde. «Gottes Geist vermag, von unten her die Kirche zu erhellen. Das sollten wir als Bild mitnehmen.»

Text: Ueli Abt, kath.ch