Im Züripiet dihei

Energie im Kreislauf

Die Kirche St. Franziskus in Ebmatingen versorgt sich nicht nur selber mit Energie, sondern gibt davon noch ab. Sie bekam dafür zwei Solarpreise.

Auf der Anhöhe mit Blick auf den Greifensee, gleich neben der Busstation an der Durchgangstrasse von Zürich Witikon nach Maur, fällt ein kleiner, knapp zwölf Meter hoher Turm ins Auge, dahinter ein vollständig mit Photovoltaik-Modulen belegtes breites Dach. Wenn es eindunkelt, leuchten das Kreuz und das Eingangstor unter dem Kirchturm weithin sichtbar im warmen Licht der neuen LED-Lampen. «Unsere Kirche will sichtbar und einladend sein», sagt der für das Pfarrvikariat Maur zuständige Seelsorgehelfer Andreas Bolkart. «Wir freuen uns, dass der heilige Franziskus mit seiner Liebe zur ganzen Schöpfung nicht nur in unserem Namen steht, sondern die Kirche auch als Gebäude dieser Schöpfung Sorge trägt.» Stolz zeigen er und Baukommissionspräsident Louis Landolt ihre Kirche. Sie vermittelt nicht nur göttliche Energie, sondern bringt auch Sonnenenergie und Erdwärme in einen Kreislauf. Dabei produziert sie so viel Strom, dass im vergangenen ersten Betriebsjahr nach Deckung des gesamten Eigenbedarfs mehr als die Hälfte davon ans EKZ weitergegeben bzw. verkauft werden konnte.

Am halbrunden, lichtdurchfluteten Kirchenraum und dem daneben liegenden Pfarreisaal vorbei steigen wir in die Kellerräume. Hier sind Wärmepumpen, Pufferspeicher, Erdsondeneinführung, ebenso der Wechselrichter, der die Strahlung der Sonne von den Photovoltaik-Modulen auf dem Dach in Strom verwandelt.

Die Technik gibt Einblick ins Geheimnis dieses kleinen Kraftwerkes: «Sonne, Wärme, Erdreich: alles ist vorhanden, es braucht nichts mehr. Wir müssen die vorhandene Energie nur in einen Kreislauf setzen!» Das ist das Credo von Louis Landolt. Zusammen mit Architekt Daniel Studer und dem Anlagenhersteller Niklaus Haller von der Firma BS2 AG konnte er es dank einem speziellen Hybrid-System umsetzen: «Wir haben drei Erdwärmesonden installiert, je 300 Meter tief», erklärt Landolt. «Hier wird Erdwärme angezapft und nach oben geführt.» Arbeitet man jedoch allein mit diesem System, kühlt sich die Umgebung der Abzapfstelle nach und nach ab und die Energie-Effizienz der Anlage wird schlechter.

Hier kommt die hybride Solaranlage auf dem Dach ins Spiel: Sie produziert nicht nur Strom für die Erzeugung von Licht, sondern auf der gleichen Fläche und damit unsichtbar auch Wärme – die im Sommer ja nicht gebraucht wird. Diese Wärme wird mittels der Erdsonden in die Tiefe geführt. «Der Boden ist ein wunderbarer Speicher», sagt Landolt. «Durch die Zuführung von Wärme im Sommer kann im Winter die Wärme abgeführt werden, ohne dass sich die Umgebung abkühlt.» Dank den energiebedarfsreduzierenden Massnahmen, der verbesserten Isolierung und der Dreifachverglasung der Fenster ist ein emissionsfreies Gebäude entstanden. Der 1,2 Millionen teure Neubau habe sich daher mehr als gelohnt, ist Landolt überzeugt, zumal über die ganze weitere Lebensdauer des Gebäudes die Heizungskosten gespart werden.

Mehr als die Hälfte des erzeugten Stroms des vergangenen Betriebsjahrs konnte ans EKZ verkauft werden.

Mehr als die Hälfte des erzeugten Stroms des vergangenen Betriebsjahrs konnte ans EKZ verkauft werden. Foto: Manuela Matt

Durch den Umbau ist ein emissionsfreies Gebäude entstanden.

Durch den Umbau ist ein emissionsfreies Gebäude entstanden. Foto: Manuela Matt

Im Keller sind Wärmepumpen, Pufferspeicher, Erdsondeneinführung, ebenso der Wechselrichter, der die Strahlung der Sonne von den Photovoltaik-Modulen auf dem Dach in Strom verwandelt.

Im Keller sind Wärmepumpen, Pufferspeicher, Erdsondeneinführung, ebenso der Wechselrichter, der die Strahlung der Sonne von den Photovoltaik-Modulen auf dem Dach in Strom verwandelt. Foto: Manuela Matt

V. l. n. r.: Niklaus Haller (Systementwickler), Louis Landolt (Präsident Baukommission) und Daniel Studer (Architekt).

V. l. n. r.: Niklaus Haller (Systementwickler), Louis Landolt (Präsident Baukommission) und Daniel Studer (Architekt). Foto: Solarpreis/zvg

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«Die gute Isolierung und die Kreislaufenergie sind – ausser dem Sonnendach – für die Kirchenbesucher unsichtbar», sagt Andreas Bolkart. «Sichtbar ist aber die Umgebung. Wir haben deshalb alles neu gepflanzt, Magerwiesen entstehen lassen, den Garten ökologisch neugestaltet. Er ist nicht nur als Dekoration gedacht, sondern das Gesamte der Kirche samt der ökologischen Umgebung soll ausstrahlen und etwas bewegen.» Das Thema «Bewahrung der Schöpfung» werde im pfarreilichen Religionsunterricht entsprechend behandelt. Schulklassen kämen die Kirche besichtigen und lernten etwas über Nachhaltigkeit für Mensch und Schöpfung.

«Als Pfarrei haben wir uns gefragt, was dieser Umbau für uns symbolisch bedeutet», erzählt der Seelsorgehelfer weiter. «Der heilige Franziskus bekam ja den Auftrag, die Kirche neu aufzubauen. Er dachte zuerst an das kleine Kirchlein aus Stein, doch es ging um die Kirche als Gemeinschaft der Menschen. Darum geht es auch bei uns. Unsere Kirchgemeinde Egg-Ebmatingen-Maur hat schwierige Zeiten mit Konflikten hinter sich. Mit dem Umbau konnten wir einen Neuanfang verbinden und die Zersplitterung in diese und jene Partei überwinden.»

Zwei Solarpreise bekam St. Franziskus Ebmatingen für diesen Umbau: Am 18. Oktober 2019 – als einzige Kirche unter anderen Plus-Energie-Bauten – den Schweizerischen Solarpreis in Genf und am 15. November 2019 den Europäischen Solarpreis in Luxemburg. RSI, das Fernsehen der italienischen Schweiz, hat dies wahrgenommen und gleichentags einen Beitrag zur Renovation von St. Franziskus Ebmatingen realisiert. Die Laudatio des Schweizer Solarpreises betont, dass der Energieverbrauch des Gebäudes mit Kirche, Pfarreisaal, Unti- und Büroräumlichkeiten «um nicht weniger als 35 Prozent gesenkt werden konnte. Die alte Ölheizung wurde herausgerissen, wodurch pro Jahr 7000 Liter Heizöl gespart und damit rund 21 Tonnen CO2 vermieden werden.»

Stolz sagt Landolt: «Nur sieben Länder-Projekte in den gegen 30 Ländern Europas erhielten 2019 einen Solarpreis, und unser Projekt war das innovativste, da wir Sonnen- und Erdwärme in einen Kreislauf gesetzt haben.» Und die Jury hielt fest: «St. Franziskus Ebmatingen ist ein Vorbild der Nutzung des solaren Potenzials von Kirchen und – man könnte sagen – das Annehmen eines himmlischen Geschenks: der Kraft der Sonne.»

Text: Beatrix Ledergerber

Angebot laufend

Mehr Nachhaltigkeit ist das erklärte Ziel der katholischen Kirche im Kanton Zürich.

Einen Überblick erhält man in einem Dossier.

www.zhkath.ch/kirche-aktuell/gesellschaft-politik/dossier_nachhaltigkeit

Mit dem Öko-Label «Grüner Güggel» ausgezeichnet sind die Kirchgemeinden Bülach, Dübendorf und Pfungen. Auf dem Weg dazu sind Embrachertal, Uster, Wallisellen.

www.oeku.ch